Feuriger Chor, friedvoller Tod

Der Oratorienchor Kreuzlingen und die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz haben am Sonntag Werke von Fauré, Mozart und Poulenc aufgeführt – ein überzeugender Konzertabend.
25. September 2013, 08:49
CHRISTOF LAMPART

KREUZLINGEN. Deutlich wurde gleich zu Beginn, bei Gabriel Faurés Requiem für Chor und Orchester, dass sich der Oratorienchor (verstärkt durch einige Mitglieder der Basler Münsterkantorei) unter der Leitung von Annedore Neufeld viel vorgenommen hatte.

Mit klarem Zugriff auf Chor und Orchester brachte sie in der gewiss zu zwei Dritteln gefüllten Kirche St. Stefan in Kreuzlingen-Emmishofen ein qualitativ sehr hochstehendes, homogenes und differenziertes Klangbild zustande, das an vielen der dunklen Stellen geradezu mystisch wirkte. Lediglich zu Beginn (Introitus et Kyrie) fielen die Frauenstimmen bei Klang und Verständlichkeit gegenüber den Herren deutlich ab. Doch schon bald hatten sich die Damen gefangen und liessen fortan keine Wünsche mehr offen.

Kontrast mit Tempi

Schön war auch, was die Solisten zu bieten hatten. Claudia von Tilzer verfügt über einen klaren, einschmeichelnden und in der Mittellage in sich ruhenden Sopran, der wunderbar zum friedvollen Bild des Todes passte, das dieses Requiem auszeichnet, Überzeugend war ebenso der Bassist Matthias Horn, der dem Undramatischen der Komposition treffend eine Stimme zu geben wusste. Begleitet von der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, die wusste, was zu tun war. So auch in Mozarts Sinfonie in g-Moll KV 550.

Annedore Neufeld ging das Stück sehr direkt und schnell an. Wo vorher fast eine kammermusikalische Transparenz herrschte, wurde nun gewissermassen aufs Gaspedal getreten – ein interessanter Kontrast. Der Klang war nun satt, die Tempi waren forsch. Da Neufeld sie jedoch konsequent durchzog, wirkte die Interpretation nach anfänglichen Irritationen schon bald einmal entstaubend und erfrischend zugleich.

Inniger Ausklang

Den krönenden Schluss des spannenden Konzertabends bildete das wohl populärste Chorwerk Francis Poulencs, das Gloria in G-Dur. In dieser ganz verspielt wirkenden Komposition musizierten Chor und Orchester häufig im Dialog, wobei die Chorstimmen einander gern imitierten. Besonders gut gefielen – wohl wegen ihrer Andersartigkeit – die jazzigen Elemente in den ersten beiden Sätzen wie auch das «Amen» der Solo-Sopranistin, mit dem der schöne Konzertabend innig ausklang.


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