Beseelt von schlichter Eindringlichkeit

Mit «Nordlichter» war am Sonntagabend in der katholischen Stadtkirche im Rahmen der Frauenfelder Abendmusiken ein Cello- und Orgelprogramm zu hören, das ganz dem Wirken skandinavischer Tonschöpfer gewidmet war.
11. September 2013, 02:41
CHRISTOF LAMPART

FRAUENFELD. Mit dem Organisten an der Stadtkirche St. Nikolaus, Emanuel Helg, und der Frauenfelder Violoncellistin Eva Maria Hux hat ein Duo musiziert, das in der Region über einen sehr guten Namen verfügt. Dass ein skandinavisches Konzert gegeben wurde, überraschte dabei wenig. Denn Hux lebt seit 2001 in Stockholm und pendelt aufgrund ihrer regen Konzerttätigkeit häufig zwischen Schweden und der Schweiz hin und her.

«Nordlichter» war ein knapp einstündiges Programm, beim dem das Publikum vieles entdecken konnte. Denn bis auf die bekannte «Morgenstimmung» aus Edvard Griegs Theatermusik zu Ibsens «Peer Gynt» und – mit Abstrichen – Niels Wilhelm Gades «Drei Tonstücke» waren wohl alle anderen Stücke den meisten Zuhörern unbekannt.

Unverblümte Schlichtheit

Der Reigen dieser Werke wurde mit der Ouverture aus Lars-Erik Larssons «Gott in Verkleidung» eröffnet. Das von Hux bearbeitete Werk, das im Original mit einem ebenso düsteren wie auch ziemlich komplexen Text unterlegt ist, der hier weggelassen wurde, entpuppte sich als lyrisches Kleinod, dessen unverblümte Schlichtheit einen in seinen Bann zu schlagen wusste. Balladesk und reizvoll war auch der Klang von Gades sonatenhaften, romantischen Werk «Drei Tonstücke op. 22»; besonders gut gefiel dabei der liedhafte dritte Satz. Ihm folgte mit «Lamentation at sunrise» ein Klagelied, das von Hux' langjährigem Kammermusikpartner Gregory Lloyd komponiert worden ist und inhaltlich auf jene Stelle im Passionstext fokussiert, an der Petrus Jesus dreimal verleugnet. Auch hier vermeinte man – trotz des tragischen Vorganges – die nordische Kühle zu spüren, verwob sich doch Hux' unprätentiöses, ruhiges, ja fast verhaltenes Spiel aufs feinste mit der schlichten melodiösen Eindringlichkeit, die von diesem Werk ausging.

Klangschöner Abend

Mit Wilhelm Peterson Bergers «Andante», einem heiteren, einfachen Werk voller folkloristischer Schönheit, wurde die Schlussrunde dieses fesselnden Konzertes eingeleitet. Von Hilding Rosenberg trug Hux ein Intermezzo für Cello solo vor, dessen moderner Klang einen wirkungsvollen Kontrast zum zuvor Gehörten bildete.

Mit der flirrend-flüchtig anmutenden «Romanze» aus Larssons Pastoralsuite erklang schliesslich ein Werk, dessen subtil changierende Klänge geradewegs aus einer nordischen Märchenwelt entsprungen sein schienen. Es wäre wunderschön, wenn man diese Komposition in unseren Breitengraden öfters hören könnte. Den Abschluss fand der klangschöne und melodienreiche Abend mit Kurt Wiklanders Fantasie für Cello und Orgel op. 5.


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