Saison der Superlative

LEICHTATHLETIK ⋅ Die Nomination für die Wahl zum «Rising Star 2017» des europäischen Verbands ist für die 17-jährige Thurgauerin Yasmin Giger die Krönung eines aussergewöhnlichen Jahres.
12. Oktober 2017, 07:01
Marie-Theres Brühwiler

Marie-Theres Brühwiler

sport@thurgauerzeitung.ch

Auch wenn am Ende eine der neun anderen nominierten Leichtathletinnen die Prestigeauszeichnung «Rising Star 2017» von European Athletics für sich beanspruchen darf, ist es für Yasmin Giger ein weiterer grosser Erfolg. Denn die meisten Nominierten sind Weltspitze bei den Aktiven. «Ich aber stehe ganz am Anfang meiner Karriere und muss mich bei der Elite erst noch bewähren», sagt Giger. Es sei deshalb eine grosse Ehre, vom Kontinentalverband überhaupt nominiert worden zu sein, gibt die bescheidene Romanshornerin zu verstehen.

«Ich kann nicht genau sagen, welches Erlebnis in den vergangenen zwölf Monaten das schönste und grösste war.» Mit jedem Wettkampf sei eine eigene Geschichte mit vielen Emotionen verbunden, sagt die Sport-KV-Absolventin, die über 400 Meter Hürden derzeit in Europa die schnellste U20-Leichtathletin ist. Die Zeit von 55,90 Sekunden in Grossetto, Italien, reichte nicht nur für EM-Gold, sondern auch für einen Platz in den ersten zehn der europäischen Allzeit-Bestenliste der U20.

Auch weniger erfolgreiche Erlebnisse prägen

Grosse Auftritte hatte die junge Thurgauerin auch bei Weltklasse Zürich, wo sie die prestigeträchtige Young Diamond League gewann oder bei ihrer WM-Premiere bei den Aktiven in London, wo sie vor über 50000 Zuschauern laufen durfte und eine gefragte Interviewpartnerin war. «Die vielen Erlebnisse prägen mich und zwar auch jene, die gar nicht so erfolgreich waren», sagt die 17-Jährige.

Rückschläge gab es bei Wettkämpfen allerdings nur selten. Im Training hingegen wollte nicht immer alles auf Anhieb klappen. So war der von ihrem Trainer Werner Dietrich vorgeschlagene Schrittwechsel schwierig. «Wir planten, wenigstens eine der zehn Hürden mit einem Zwischenschritt weniger zu überspringen», sagt Dietrich. Da dies aber kein einziges Mal gelungen sei, habe er schliesslich von der Umsetzung im Wettkampf abgeraten. Doch wieder einmal bewies Giger, dass sie sich steigern kann, wenn es ernst gilt. Den kräfteraubenden Rhythmus hielt sie nicht nur bis zur ersten, sondern zur Verblüffung ihres Trainers gleich bis zur fünften Hürde durch. Durch die neue Technik ist die Schweizer Nachwuchshoffnung um einiges schneller geworden. Bei ihrem besten Lauf war die junge Rekordhalterin bis auf eine Hundertstelsekunde so schnell wie die heute zweifache Weltmeisterin Zuzana Hejnova im Alter von 18 Jahren war.

Sich selbst immer treu bleiben

Angesprochen auf ihre nächsten Ziele, muss Yasmin Giger nicht lange überlegen. «Ich nehme Wettkampf für Wettkampf, gebe immer mein Bestes und habe einfach eine riesige Freude an meinem Sport», sagt sie mit strahlenden Augen. «Und ich will mir selbst immer treu bleiben.» Im Moment, in der Nebensaison, sei sie aber ein bisschen kribbelig. «Ich halte es fast nicht ohne Training und Wettkampf aus.» Die von ihrem Trainer Werner Dietrich verordnete vierwöchige totale Trainingspause werde sie aber einhalten.

Hinweis

Am Podiumsgespräch «Frauen – Grössen im Sport» wird Yasmin Giger an der Seite von Skilegende Marie-Theres Nadig und der ehemaligen Unihockey-Nationalspielerin Andrea Kern aus ihrem Alltag erzählen. Der Anlass findet am Dienstag, 24. Oktober, um 19.30 Uhr in der Aula der Kantonsschule Romanshorn statt.


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