Leere Läden füllen sich von selber

KREUZLINGEN ⋅ In der letzten Gemeinderatssitzung sagte Stadtrat Thomas Beringer, die Idee einer ­Zwischennutzungsagentur für Ladenlokale sei hinfällig. Die SP ist darüber alles andere als glücklich.
12. Oktober 2017, 07:01
Nicole D’Orazio

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Elina Müller ist enttäuscht. Die neue SP-Gemeinderätin erhielt am Schluss ihrer ersten Sitzung letzten Donnerstag eine schlechte Nachricht. Ihre Idee, eine Zwischen­nutzungsagentur für leere Ladenlokale in Kreuzlingen aufzubauen, scheint vom Tisch. Auf Nach­frage von Christian Forster (Rägebogä) hatte Stadtrat Thomas Beringer Auskunft über den aktuellen Stand des Projektes gegeben. «Wir haben ein Konzept zur ­Zwischennutzung erstellt und dabei festgestellt, dass die Rotation bei der Vermietung der Läden gut funktioniert», sagte er. Es gebe nur wenige Ladenlokale, die lange leer stünden. Sonst regulierten sich die Wechsel selber. «Wir wollen daher von einer finan­ziellen Unterstützung absehen.» Eine eventuelle Plattform auf einer Webseite würde günstiger kommen als eine Agentur, sagte Beringer.

Bei der SP war das sehr schlecht angekommen. Insbesondere ­Andreas Hebeisen machte seinem Ärger Luft. «Jetzt macht ihr mich aber hässig», hatte er in Richtung Stadtrat gesagt. Man habe mehrfach nachgefragt und habe nie eine Antwort erhalten. Dabei sei das ihnen versprochen worden. Dass man nun auf diesem Weg Bescheid erhalte, sei nicht in Ordnung. «Jedes Mal, wenn ich bei der Stadt nachgefragt habe, hiess es, die Agentur sei noch in Bearbeitung», sagt Elina Müller auf Anfrage. Sie war Mitinitiantin für die Um- und Zwischennutzungsagentur. «Von Thomas Beringer hat es nun so getönt, als wäre alles im Sand ­verlaufen.»

Sie sei davon überrascht und natürlich enttäuscht. Denn die Idee sei noch immer aktuell, findet Elina Müller. Sie sehe in der Stadt nach wie vor leere, jedoch keine vernachlässigte, Ladenlokale. Zwar seien viele Geschäfte besetzt, aber oft von Dienst­leistern wie Immobilienbüros oder Versicherungen. «Diese gene­rieren nur wenig Publikums­verkehr.» In der Stadt sei viel kreatives Potenzial, das keinen Platz finde, vorhanden. «Damit denke ich an Künstler, aber auch an Leute, die sonst engagiert sind und einmal etwas ausprobieren wollen.» Dafür wären Zwischennutzungen ideal. Elina Müller will zusammen mit ihren Parteikollegen am ­Thema dranbleiben. «Mir wurde von ­Thomas Beringer in Aussicht gestellt, dass ich das Konzept nochmals vorstellen darf. Ich hoffe, dass ich nicht von vorne beginnen muss.»

Beringer revidiert seine Aussagen

Thomas Beringer sagt auf An­frage aus seinen Ferien, dass man bei der Stadt einen Rohentwurf eines Zwischennutzungskonzepts erstellt habe und sich zurzeit in der Analysierphase befinde. «Es gibt im Konzept Hinweise, dass eine Zwischennutzung nicht ganz unproblematisch ist, und ich mich in der Hitze des Gefechts im Gemeinderat nicht ganz korrekt dazu geäussert habe.» Seine Äusserungen könnten falsch interpretiert worden sein. «Wir werden den Entwurf nach den Ferien in einer kleinen Arbeitsgruppe besprechen und weitere Schritte planen», teilt der Stadtrat mit. Man habe noch kein abschliessendes Produkt, das veröffentlicht werden könnte. Den endgültigen Entscheid, wie es weitergeht, müsse der Stadtrat anschliessend fassen.


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