Jugendliche wohnen in der Scheune

TÄGERWILEN ⋅ Der Bau beim Hof Brunnegg kommt voran. Nächsten Sommer will der Verein Bernrain-Brunnegg hier eine Wohngruppe für Jugendliche mit auffälligem Verhalten eröffnen. Martin Hengartner wird das Projekt leiten.
11. Januar 2018, 07:02
Annina Flaig

Annina Flaig

annina.flaig@thurgauerzeitung.ch

Er lehnt sich ohne zögern auf die nassen Balken und lächelt fürs Foto durch den Nebel. Martin Hengartner hat ursprünglich Zimmermann gelernt, bevor er sich zum Sozialpädagogen weiterbildete. «Er weiss, was es heisst, Stiefel anzuziehen und zuzupacken.» Mit diesen Worten stellte Rainer Sigrist vom Verein Bernrain-Brunnegg gestern den zukünftigen Leiter des neuen Sozialprojektes vor. «Er ist genau der Richtige für diese Aufgabe.» Der 49-Jährige aus Hefenhofen wird per 1. März eingestellt. Er wird alles Notwendige vorbereiten sowie ein siebenköpfiges Team aus Sozialpädagogen, Arbeitsagogen und Sozialarbeitern für das neue Sozialprojekt des Vereins Bernrain-Brunnegg zusammenstellen.

Eine grosszügige Erbschaft macht es möglich

Mit seinem Team wird Hengartner ab August eine Wohngruppe, bestehend aus bis zu zehn jungen Menschen mit auffälligem Verhalten im Alter von 15 bis 22 Jahren betreuen. Wohnen werden sie in der sogenannten Tabakscheune neben dem Gutshof Brunnegg. Diese wird seit letztem Sommer eigens zu diesem Zweck für rund 4,5 Millionen Franken umgebaut. Den Gutshof Brunnegg hat die Schule bereits vor einigen Jahren erworben. «Landverkauf und eine grosszügige Erbschaft haben uns das ermöglicht», so Präsident René Imesch. Der Gutsbetrieb wird seit 2015 verpachtet. «Die Pächter sind bereit mit uns und den Jugendlichen zusammenzuarbeiten.» Die Landwirtschaft gehöre nämlich genauso wie das Heim und die Schule seit 175 Jahren zu den wichtigen drei Bereichen der Schule Bernrain. Ziel der neuen Einrichtung sei die Reintegration der jungen Erwachsenen in ihre Arbeits- und Lebenswelten. Deshalb werden weder Putzhilfen noch Köche eingestellt. Die Gruppe organisiert sich selbst.

Im Thurgau gibt es bisher nichts Vergleichbares

Den Businessplan hat Thomas Bücheler, Geschäftsleiter des Vereins im Auftrag des Vorstandes auf die Beine gestellt. «Wir schaffen etwas, dass im Thurgau ein Bedürfnis ist», betont Bücheler, der mit den zuweisenden Behörden in Kontakt steht und bereits von den Beistandschaften angefragt wird, wann die Wohngruppe endlich eröffnet würde. Aktuell würden viele Fälle ausserkantonal platziert. Mit der Einrichtung in Kreuzlingen nicht vergleichbar sei nämlich das Massnahmezentrum Kalchrain in Frauenfeld, welches männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit einer Massnahme nach dem Jugendstrafgesetz oder nach dem Strafgesetzbuch bietet.


Leserkommentare

Anzeige: