Job stärkt Selbstwertgefühl

LENGWIL ⋅ Ab diesem Sommer bietet der Ekkharthof wieder eine praktische Ausbildung für junge Erwachsene an. Um das Angebot attraktiv gestalten zu können, suchen die Verantwortlichen noch Partner in der Privatwirtschaft.
19. Mai 2017, 07:41
Martina Eggenberger Lenz

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Es ist am Ekkharthof zwar nur eine kleine Sparte, aber eine umso wichtigere: die praktische Ausbildung von jungen Erwachsenen. Vor vier Jahren musste das Angebot eingestellt werden, weil die Finanzierung durch die IV nicht mehr gewährleistet war. Jetzt ist die ehemalige IV-Anlehre in einer angepassten Form zurück. Sechs junge Erwachsene mit einer geistigen oder psychischen Behinderung können von einem Ausbildungsplatz profitieren. Sie werden sich in der Küche, Gärtnerei, Landwirtschaft, Schreinerei, Hauswirtschaft oder der Auftragswerkstatt Berufskenntnisse aneignen, mit dem Ziel, später in der Privatwirtschaft Fuss zu fassen oder dann an einen geschützten Arbeitsplatz vermittelt zu werden. Im ersten Ausbildungsjahr werden die Lehrlinge in ihrer Branche am Ekkharthof geschult. Sie lernen, ihren Arbeitsrhythmus wahrzunehmen, besuchen internen Fachunterricht und an einem Tag die interne Berufsschule mit allgemeinbildendem Unterricht. Im zweiten Jahr wird das Gelernte vertieft.

Externe Praktikumsplätze sind noch Mangelware

Wann immer möglich, sollen die Auszubildenden auch ein mehrmonatiges Praktikum in der Privatwirtschaft absolvieren. Hierfür werden auf Sommer 2018 noch mehrere Partnerbetriebe gesucht, wie Lucas Böhler, der Leiter berufliche Massnahmen am Ekkharthof, sagt. Ein solches Engagement koste einen Betrieb nichts. Im Gegenteil: Er bekomme umsonst eine Arbeitskraft und könne sich mit sozialem Engagement «schmücken». Die Begleitung des Praktikanten wird durch das Ekkharthof-Team gewährleistet. «Alles, was es braucht, ist Offenheit, Verständnis und ein bisschen Sozialkompetenz. Zudem muss der Betrieb geeignete wiederkehrende Arbeiten anbieten können. Unsere Leute können gut Teilaufgaben übernehmen, gerade im handwerklichen Bereich», betont Böhler. Er denkt zum Beispiel an den Abwasch in der Restaurantküche, das Messen und Sägen von Holz in der Schreinerei, Auto putzen oder Einsätze auf dem Feld. Die praktische Ausbildung sei sehr wichtig für das Selbstbewusstsein der Menschen. «Es macht sie stolz, wenn sie sagen können, sie hätten eine Lehre absolviert.» Zum Glück sei das Thema Inklusion mittlerweile in der Gesellschaft angekommen. Durch eine Arbeitsstelle könne man Menschen in die Gesellschaft integrieren. Es tue den jungen Frauen und Männern, die am Ekkharthof betreut werden, gut, «einmal rauszukommen aus der heilen kleinen Welt». Statistisch schafften schweizweit zuletzt fast 40 Prozent der Absolventen einer praktischen Ausbildung den Sprung in die Privatwirtschaft. So oder so sei die Ausbildung wichtig. «Wer einen Beruf hat, ist in der Gesellschaft einfach viel mehr anerkannt», betont Lucas Böhler.

Kontakt

Interessierte Firmen können sich bei Lucas Böhler, Leiter berufliche Massnahmen, melden, Telefon 071 686 65 26.


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