Im Stall angekommen

LANGRICKENBACH ⋅ Drei Jahre hat Arthur Ziegler einen Lämmerstall für 588 Tiere geplant. Der Weg war steinig und lang. Die ersten Schafe dienten ihm als Trainingstiere für seinen Hund. Aus dem Hobby entwickelte sich ein gefragtes Nischenprodukt.
12. August 2017, 08:48

Es ist kurz vor Feierabend. Die sechsköpfige Familie Ziegler steht vor einem grossen Moment. Arthur Ziegler öffnet den alten Stall in Herrenhof und lässt die jungen Schafe heraus. Mit Besen ausgerüstet stehen seine Jungmannschaft und Ehefrau Gabriela bereit, um den Tieren den Weg in den neuen Stall zu weisen. Der grosse, lichtdurchflutete Holzbau bietet Platz für 588 Lämmer. Schnell begreifen die rund 180 Tiere, wo sie hin müssen und wirbeln das Stroh auf. Alle sind drin. Arthur Ziegler strahlt. Er schaut zufrieden in die Tierherde, die ihr neues Heim neugierig beschnuppert und erkundet. «Jetzt bin ich angekommen. Angekommen am Ziel nach einem langen, steinigen Weg.» Skeptiker verzögerten die Durchführung seines Bauvorhabens. Doch daran will er jetzt nicht mehr denken müssen.

Über dreieinhalb Jahre hat er den tiergerechten Stall für seine Lämmer geplant. Der gelernte Zimmermann ist in der Landwirtschaft ein Quereinsteiger. Persönliche Umstände zwangen ihn, seinen erlernten Beruf aufzugeben. Durch Zufall ist er auf das Schaf gekommen und fand mit der Aufzucht von Lämmern eine Nische. Ziegler erinnert sich gut, wie alles begann. Ein Hund fand bei der Familie ein Zuhause. «Border Collies sind Arbeitshunde und Rasti liebt Schafe», sagt Ziegler. Er absolvierte mit ihm Hirtekurse und hatte Spass. Es ging nicht lange, da zogen auf dem stillgelegten Betrieb vier Skudden-Schafe ein. «Platz war da und mit dieser Rasse von Pro Specie Rara konnten wir zu deren Erhalt beitragen.» Die Freude an der Landwirtschaft sowie die Herde wuchsen. Ziegler lernte Schafkäse herzustellen und vermarktete das Fleisch. Der Wunsch, die Landwirte-Meisterprüfung zu absolvieren, stieg.

Mit überschüssiger Milch werden Lämmer getränkt

Er erzählt, wie er auswärts auf einem Bauernbetrieb, der oft überschüssige Milch hatte, arbeitete. Nebenan führte ein Landwirt einen Milchschafbetrieb und wusste teils nicht, wohin mit den Lämmern, die nicht für die Zucht geeignet waren. «So entstand die Idee, die Milch für die Lämmer aufzubereiten.» Er nahm einige Jungtiere nach Hause, und es funktionierte. Er erhielt immer mehr Anfragen für die Aufzucht. Auch von Coop für Osterlämmer. «So ein Angebot erhält man nicht alle Tage.» Doch damit er die gewünschte Menge liefern konnte, musste er Platz für 400 Tiere schaffen. Mit den Provisorien war Ziegler nicht glücklich. «Es war ein Gebastel.» So entstand die Idee mit dem neuen Stall für das Nischenprodukt Lämmeraufzucht. Rund 700000 Franken investierte er. Ihm ist wichtig, dass die Tiere gesund aufwachsen und er ein hochwertiges Produkt weitergeben kann.

Die Sonne ist untergegangen. Ziegler beobachtet noch immer die Herde. Das Blöken ist verstummt. Das neue Zuhause scheint allen zu gefallen.

 

Daniela Ebinger

kreuzlingen

@thurgauerzeitung.ch


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