Nordvariante setzt sich durch

LANGRICKENBACH. Der Entscheid über die Linienführung der Oberlandstrasse (OLS) im Raum Langrickenbach und Altnau ist gefallen. Die Langrickenbacher Dörfer werden nördlich umfahren. Die Route führt aber kaum mehr über Altnauer Boden.
30. April 2011, 10:45
martina eggenberger Lenz

Nur gerade drei Wochen nach der öffentlichen Informationsveranstaltung liegt eine Lösung auf dem Tisch: Der Regierungsrat hat entschieden, dass die Oberlandstrasse die Dörfer von Langrickenbach nördlich umfahren soll. Damit ist die Forderung der Langrickenbacher Einwohner, auf jeden Fall auf eine südliche Umfahrung zu verzichten, erfüllt.

Das kantonale Departement für Bau und Umwelt sah sich bei der Entscheidungsfindung mit zwei konträren Meinungen konfrontiert. Während die Langrickenbacher sich vehement gegen eine Südumfahrung wehrten, forderten die Altnauer genau eine solche.

Vieles spricht gegen den Süden

«Da sich kein Konsens abzeichnete, haben wir wie angekündigt einen Entscheid getroffen», sagt Regierungsrat Jakob Stark. Nach der Versammlung vom 6. April hat es ein weiteres Treffen mit den Kantons- und Gemeindevertretern gegeben. Es habe sich gezeigt, dass sowohl Langrickenbach als auch Altnau mit der schliesslich präsentierten Variante leben können.

Die angefertigte Vergleichsstudie habe keine eindeutigen Ergebnisse geliefert, so Stark. Ein grosses Problem der südlichen Umfahrung war, eine sinnvolle Lösung für den Waldhof zu finden. Die Eingriffe in die Siedlungsstruktur, das Naherholungsgebiet und die landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsstrukturen wären mit dieser Variante ausserdem gross gewesen.

Demgegenüber hatte die ursprünglich vorgeschlagene Nordumfahrung das Handicap, dass sie eine erhaltenswerte Landschaft durchschnitten hätte.

Anschluss ist Altnau nur Option

Darauf wird jetzt verzichtet. Die Strasse trennt Langrickenbach und Altnau räumlich voneinander ab, aber sie verläuft fast ausschliesslich über Langrickenbacher Boden. Stark verweist darauf, dass die OLS tiefer gelegt realisiert würde und die Immissionen somit minim wären. Als kleines Zückerchen will der Kanton – falls von Altnau gewünscht – auf einen OLS-Anschluss ab der Herrenhoferstrasse verzichten. «Ich bin zuversichtlich, dass sich die Altnauer unter diesen Umständen mit den Langrickenbachern solidarisieren», erklärt der Regierungsrat.

Altnau verzichtet auf Opposition

Altnaus Gemeindeammann Beat Pretali formuliert es so: «Wir stimmen der vorgeschlagenen Lösung nicht zu. Aber wir enthalten uns der Stimme mangels Betroffenheit.» Da nun die Route nicht mehr über Altnauer Boden führe, sehe man sich nicht mehr legitimiert, gegen das Projekt anzukämpfen, so Pretali. Es handle sich nun um eine Langrickenbacher Umfahrung auf Langrickenbacher Gebiet. Die Frage, ob man auf einen Anschluss ab Altnau verzichten wolle, müsse nicht jetzt geklärt werden. Aber immerhin dürfe Altnau über diese Frage entscheiden.

Langrickenbach ist erleichtert

Amtskollege Markus Hausammann seinerseits ist froh, dass die Langrickenbacher Argumente in Frauenfeld gehört wurden. «Wir sehen uns aber nicht als Sieger. Bei der jetzigen Lösung handelt es sich um einen gutbürgerlichen Kompromiss.» Der Gemeindeammann betont, dass man nun, falls das Stimmvolk den Strassenvorlagen überhaupt zustimme, eine Planungssicherheit habe. Die Oberlandstrasse würde erst gebaut, wenn das Verkehrsaufkommen in Langrickenbach auf mehr als 10 000 Fahrzeuge täglich anwächst. Das Volk stimmt Ende 2012, Anfang 2013 ab.


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