«Kein Versuchskaninchen»

KREUZLINGEN ⋅ Das Nein ist klar: 57,3 Prozent lehnen die Sanierung und Aufwertung der Romanshornerstrasse ab. Jetzt müssen sich Stadt und Kanton Gedanken über ein abgespecktes Projekt machen.
13. Februar 2017, 07:40
Urs Brüschweiler

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler

@thurgauerzeitung.ch

Stadtrat Ernst Zülle hatte die Niederlage kommen sehen. «Wir sind natürlich enttäuscht vom Resultat», sagte er gestern nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses. Aber aufgrund der Widerstände, welche man im Vorfeld gespürt habe, komme es auch nicht ganz überraschend. Bei einer hohen Stimmbeteiligung von 47,6 Prozent – zurückzuführen sicher auch auf die nationalen Urnengänge – haben 2238 Kreuzlinger (57,3 Prozent) gegen das Projekt zur Aufwertung und Sanierung der Romanshornerstrasse gestimmt. Ein Ja legten nur 1668 Bürger (42,7 Prozent) ein. Rund 2,9 Millionen Franken wäre der Kreuzlinger Anteil am gemeinsam Projekt von Stadt und Kanton gewesen.

Der CVP-Stadtrat vermutet die Ursache in einer ersten Analyse bei einigen umstrittenen Details der Vorlage. Etwa den 170 Metern 30er-Zone im Ortskern von Kurzrickenbach oder dem Wegfall der Radstreifen, der natürlich ungewohnt sei.

Signal für die Südumfahrung

SVP-Gemeinderat Bruno Rieser, der sich im Vorfeld für eine Ablehnung der Vorlage eingesetzt hatte, ist zufrieden: «Es gibt heute keine Gewinner, andersherum hätte es nur Verlierer gegeben.» Überrascht hat ihn das Abstimmungsresultat nicht, er habe praktisch ausschliesslich negative Stimmen zum Projekt gehört. Insbesondere die 30er-Zone, fehlende Radstreifen und auf der Fahrbahn haltende Busse hätten die Leute verunsichert. «Wir sind nicht die Versuchs­kaninchen des Kantons», sagt er. FDP-Gemeinderat Alexander Salzmann, ebenfalls ein dezidierter Gegner der Vorlage, sieht in den Resultaten vom Sonntag eine zentrale Botschaft: «Das Kreuzlinger Ja zum NAF und das Nein zur Romanshornerstrasse bedeuten, dass die Stadt keine weiteren Verkehrsberuhigungen will, solange es keine Südumfahrung gibt.» Der Stadtrat müsse sich nun vehement dafür einsetzen. Salzmann spricht damit auch gleich dem geplanten neuen Verkehrsregime auf dem Boulevard die Legitimation ab. Dass der Bund 880000 Franken an das Projekt aus dem Agglomerationsprogramm bezahlt hätte, ist für Salzmann wie für Rieser nicht relevant. Wenn man Geld ausgebe, dann nur für eine gute Lösung.

SP-Gemeinderat Cyrill Huber hatte im Abstimmungskampf ein Pro-Komitee angeführt, in welchem die SP, die Freie Liste und Pro Velo dabei waren. «Das ist eine Niederlage für Kreuzlingen», sagt er. Man suche sich in Kreuzlingen immer Details eines Projekt heraus, die einem nicht passen, anstatt das Ganze aus der Vogelperspektive zu betrachten. Ausserdem sei es am Ende nicht mehr um eine Neugestaltung des Strassenraums gegangen, sondern die Abstimmung sei zu einer Verkehrsvorlage geworden, mit welcher man dann auf die Südumfahrung warten wolle.

Jetzt folgt die Sanierung mit weniger Aufwertung

Dass die Romanshornerstrasse nun dennoch saniert werden muss, ist für alle Beteiligten unbestritten. Allein die Werkleitungen machten dies nötig. Stadtrat Ernst Zülle schaut bereits nach vorne. Er werde nun mit dem Kanton zusammensitzen und schauen, inwieweit einzelne, unbestrittene Aufwertungselemente auch in ein neues Projekt übernommen werden könnten. Mit der Verschönerung des Kurzrickenbacher Zentrums etwa konnten sich auch die Gegner anfreunden. Je nachdem könne man dann trotzdem noch auf Gelder aus dem Agglomerationsprogramm hoffen, erklärt Zülle. Der Zeitplan ändere sich nicht gross. Das Ziel sei, 2019 mit der Strassensanierung zu beginnen. Diese würde etappiert durchgeführt und etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen.


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