Gemeinden liegen im Clinch

HERRENHOF. Die Meinungen in Langrickenbach und Altnau scheinen gemacht. Die Informationsveranstaltung des Kantons zum Verlauf der Oberlandstrasse brachte keine Annäherung. Die Anwesenden diskutierten emotional über alle Varianten.
08. April 2011, 08:06
martina eggenberger lenz

Jakob Stark und seine Crew waren gekommen, um zusammen mit dem Langrickenbacher und Altnauer Volk des Rätsels Lösung zu finden. Der Regierungsrat will für die geplante Oberlandstrasse (OLS) nämlich die Linienführung mit der bestmöglichen Akzeptanz. Am Ende der Veranstaltung musste Stark eingestehen: «Ich bin etwas ratlos.» Damit war er sicher nicht alleine.

Die Gemeinden Langrickenbach und Altnau diskutieren schon seit Monaten über einen möglichen Verlauf der OLS. Am Mittwochabend machten die Gemeindeammänner ihre Positionen öffentlich klar.

Langrickenbach will nördlich…

Markus Hausammann, Langrickenbach, ging gleich in die Offensive: «Die kantonale Verkehrsplanung hat raumplanerisch einen ganz grossen Schwachpunkt, nämlich die Verkehrsführung in unserer Region.» Es sei grundsätzlich falsch, eine neue Hauptverkehrsachse in das Gebiet zu legen. Die OLS sei keine Umfahrung von Langrickenbach, sondern eine übergeordnete Hauptstrasse zur Bündelung der Verkehrsströme zwischen Kreuzlingen und dem Oberthurgau. Sämtliche aufgezeigten Varianten seien lediglich Schadensbegrenzungsmassnahmen. «Nicht tragbar ist für uns eine südliche Umfahrung.» Wenn, dann beharre man auf der im Richtplan bereits vorgesehenen Nordumfahrung, allenfalls mit einer teilweise etwas näher bei Herrenhof geführten Strasse.

…und Altnau südlich umfahren

Auch Gemeindeammann Beat Pretali hat eine klare Meinung: «Altnau ist auf jeden Fall gegen eine nördliche Umfahrung.» Seine Gemeinde habe in den letzten Jahren alles unternommen, den Verkehr auf die Seestrasse zu bringen. Dort störe er das Dorf am wenigsten. Es widerspreche dem kantonalen Richtplan, dass man die OLS ausgerechnet durch das Gebiet zwischen Altnau und Langrickenbach, für das «Vorrang Landschaft» gilt, führen wolle. In den Gebieten mit Vorrang Landschaft gelten nämlich erhöhte Anforderungen an die Gestaltung von baulichen Eingriffen. Pretali merkte ausserdem an, dass die OLS in diesem Bereich den Schulweg zur Sekundarschule Altnau durchschneiden würde. Er sehe nicht ein, warum auf landwirtschaftliche Bewirtschaftungsstrukturen mehr Rücksicht genommen werden solle als auf diesen Schulweg.

Gezänk um Schulwege

Besonders mit letzterer Bemerkung machte sich der Altnauer Gemeindeammann keine Freunde. Die Bewohner der östlichen Weiler würden mit einer südlichen Umfahrung vom Rest Langrickenbachs, auch von der Schule, abgeschnitten. «Ich bin enttäuscht von der einseitigen Sicht der Altnauer», meinte etwa ein Votant aus Herrenhof. Sämtliche Bürger aus Langrickenbach, die sich zu Wort meldeten, teilten die Meinung, dass eine Südumfahrung nicht in Frage komme. Genau konträr dann die Ansichten aus Altnau: «Wir hätten mit der nördlichen OLS-Umfahrung drei Ost-West-Achsen als Kantonsstrassen durch unsere Gemeinde», verteidigte ein Gast die Strategie seiner Behörde.

Solidarität gefordert

Gegen Ende der Veranstaltung wurden die Kommentare immer giftiger. Das gutnachbarliche Verhältnis sei in Gefahr, stellte man fest. Insbesondere den Altnauern wurde Egoismus vorgeworfen. «Wir können nicht den ganzen Schaden alleine tragen», mahnte Markus Hausammann – und erntete von den Langrickenbachern Applaus. Diese waren im Publikum in der Mehrzahl. Jakob Stark stellte zum Schluss ein «gewisses Entgegenkommen von Langrickenbach» fest. Nächste Woche würden die Gespräche mit den Gemeinderäten weitergeführt. Die Nuss ist längst nicht geknackt.


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