Er setzt voll auf grüne Energie

TÄGERWILEN. Bauer Christian Schwarz hat schon auf dem ganzen Scheunendach Solarzellen. Seit dieser Woche besitzt er zudem eine Windturbine. Der Tägerwiler setzt auf Nachhaltigkeit – und will das Wachstum der Gemeinde bremsen.
28. April 2012, 12:18
MARTINA EGGENBERGER LENZ

Christian Schwarz ist einer von vielen, die die Welt verändern wollen. Aber er ist einer von wenigen, die wirklich handeln. Fünf Solar-, vier Photovoltaik- und eine thermische Anlage hat er auf seinem Bio-Bauernhof im Pfaffenbüel. Und seit neustem ziert auch noch ein Windrad das Scheunendach.

Der kleine, hagere Mann strahlte übers ganze Gesicht, als am Donnerstag seine jüngste Anschaffung aus dem Bereich der erneuerbaren Energien montiert wurde. Im Vergleich zu den Solarpannels, die zusammen eine Leistung von über 100 Kilowatt haben, produziert die Windanlage wenig Strom, gerade etwa ein Hundertstel. Aber das ist dem Tägerwiler Bauern egal. «Ich möchte herausfinden, ob Windenergie hier bei uns überhaupt ein Thema ist.»

Zeigen, wo gespart werden kann

Schwarz will mit seinem grossen Engagement in Sachen alternative Energien zeigen, dass der Atomausstieg möglich ist. Er produziert mit seinen Anlagen nicht nur Strom, sondern ist auch darauf bedacht, im Alltag möglichst wenig zu verbrauchen. So arbeitet der Bio-Bauer auf seinem Hof mit Geräten und Maschinen, die energiesparend funktionieren. Die Kettensäge ist zum Beispiel Batterie betrieben. Christian Schwarz ist so überzeugt von den Produkten, dass er auch seine Mitmenschen begeistern will. Aus diesem Grund organisiert er den Solarsonntag auf seinem Betrieb, dieses Jahr am 6. Mai.

Aus der Nähe betrachten kann man dann auch das Windrad. Optisch erinnert es an ein Velorad, der Durchmesser beträgt zwei Meter. Im Gegensatz zu anderen Windanlagen ist die Turbine getriebelos und daher sehr geräuscharm. Es ist erst das zweite Modell dieser Art, das in der Schweiz installiert wurde. Fritz Schmocker, dessen Clever Grid GmbH die Anlage geliefert hat, bezeichnet die Platzierung auf dem 13 Meter hohen Scheunendach als ideal. Je höher oben, desto mehr Wind, lautet die einfache Gleichung. Rund 10 000 Franken kostet eine solche Anlage. Das ist viel Geld, auch für Christian Schwarz. Er sucht deshalb nach wie vor Sponsoren, die sich am Projekt beteiligen.

Petition gegen den Bauboom

Der Atomausstieg ist nicht das einzige Thema, das den Bauern beschäftigt. Er findet, dass Tägerwilen mit 4000 Einwohnern die obere Grenze erreicht hat. Um die Bautätigkeit zu stoppen, hat er eine Petition lanciert. Sie heisst «4000 sind genug» und weist darauf hin, dass die Infrastrukturbauten der Gemeinde, etwa die Kläranlage oder der Werkhof, langsam zu klein würden. Das Wachstum verursache also Kosten, Steuererhöhungen wären die Folge.

Die Petition will den Kulturlandverlust aufhalten. «Mit den Unterschriften will ich Einfluss auf die Zonenplanung nehmen», sagt Christian Schwarz. Wenn noch umgezont werden soll, dann Bauland zurück zu Landwirtschaftsland, findet er. Der Bauer rechnet damit, dass er einige Unterstützung in der Bevölkerung findet. In zehn Tagen will er 1000 Unterschriften sammeln.


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