Tagblatt Online, 09. Januar 2012 07:04:00
«Die GLP eröffnet mir Chancen»
Alt Kantonsrat Klemenz Somm in seinem Unternehmen: «Es geht mir zum Glück wieder rundum gut.» (Bild: Reto Martin)
Der frühere grüne Fraktionschef Klemenz Somm will nach seinem Burn-out in die Politik zurück – als Kantonsrat der Grünliberalen. Ihm liege die Verbindung zwischen Umwelt und Wirtschaft näher. Somm will aber gegen die BTS antreten.
Sie fielen fast ein Jahr gesundheitlich aus. Geht es Ihnen nach dem Burn-out so gut, dass Sie in die Politik zurückkehren können?
Klemenz Somm: Ob mir die Rückkehr in den Grossen Rat gelingt, müssen Wählerinnen und Wähler entscheiden (lacht). Sicher ist aber, dass ich wieder für den Grossen Rat kandidiere. Ich hoffe, so wieder aktiv Politik im Thurgau betreiben zu können.
Warum treten Sie nicht mehr für die Grünen, sondern für die Grünliberalen an? Sie waren immerhin GP-Fraktionschef.
Somm: Das war für mich der Grund, warum ich 2008 nicht zur GLP wechselte, nachdem die Partei gegründet worden war. Ich fühlte mich immer wohl bei den Grünen, aber es war nie ein Geheimnis, dass ich eine grünliberale Sichtweise vertrete. Ich werde bei den Grünliberalen gleich politisieren können wie bis anhin. Die GLP im Bezirk Kreuzlingen eröffnet mir zudem die Chance, für den Grossen Rat zu kandidieren, ohne die beiden kompetenten bisherigen grünen Kantonsrätinnen Marion Theler und Kathrin Erni listenintern zu konkurrieren. Das wollte ich vermeiden, obwohl die Grünen meine Kandidatur begrüsst hätten. Die Präsenz der GLP soll nicht die Grünen schwächen, sondern das grüne Gedankengut stärken.
Aber schaffen das die Grünliberalen wirklich? Im Grossen Rat sind sie bisher nicht sehr präsent.
Somm: Ich bin klar der Meinung, dass die Grünliberalen ihr Profil im Thurgau schärfen müssen. Das wird auch passieren, sobald die GLP im Grossen Rat mit mehr Kantonsräten vertreten ist. In der CVP-Fraktion ging die GLP fast unter. Die GLP half aber auf kantonaler wie auf Bundesebene mit, dass die Fraktionspartnerin CVP heute eine umweltfreundlichere Politik betreibt.
Die Grünliberalen brauchen dafür aber eine eigene Fraktion.
Somm: Das glaube ich nicht. Die GLP könnte nach den Wahlen vom 15. April fünf bis zehn Kantonsrätinnen und -räte stellen. Da liegt eine Fraktionsgemeinschaft nahe. Für mich wäre eine Fraktionsgemeinschaft mit der CVP wie mit den Grünen, der EVP oder der BDP möglich. Aber das muss die Partei entscheiden.
Wird die GLP so viele Sitze erzielen? Bei den Nationalratswahlen schaffte sie das Mandat mit etwas mehr als 5 Prozent der Stimmen.
Somm: Die GLP wird es sicher schaffen, in jedem der fünf Bezirke ein bis zwei Mandate zu gewinnen. Im Bezirk Kreuzlingen sind meine Chancen nach meiner Beurteilung intakt.
Aber werden Ihnen Wählerinnen und Wähler den erneuten Parteiwechsel nicht verübeln?
Somm: Man würde es mir übel nehmen, wenn ich eine Wetterfahnen-Politik betreiben würde. Meine Politik ist aber geradlinig geblieben. Es liegt ja auf der Hand, dass ich nach FDP und GP den Schritt zur neuen GLP vollziehe. Sie ist quasi die Schnittmenge der beiden anderen Parteien.
Sie sind nach wie vor ein Gegner von Bodensee-Thurtal- und Oberlandstrasse. Ein Teil der GLP-Exponenten unterstützt aber die BTS.
Somm: Das ist kein Problem. Ich bleibe ein Gegner einer durchgehenden neuen Verkehrsachse. Wir müssen die Verkehrsprobleme im Thurtal modular und etappiert angehen, wie es die Umweltverbände vorschlagen. Die Lösung mit einem Ottenbergtunnel, wie sie Regierung und Grosser Rat vorschlagen, ist für den Thurgau und seine Verkehrsprobleme fünf Schuhnummern zu gross.
Man hat Sie immer wieder als möglichen Regierungsratskandidaten der Grünen genannt. Werden Sie 2016 für die GLP antreten?
Somm: Sicher nicht in vier Jahren. Längerfristig soll man nie etwas ausschliessen. Aber eine Kandidatur ist eher unwahrscheinlich. Ich geniesse meine Tätigkeit als Unternehmer. Ich will die Interessen des Gewerbes auch direkt in den Grossen Rat einbringen.
Zurück zu Ihrer politischen Pause. Sie haben das Burn-out erstaunlich schnell überwunden.
Somm: Es geht mir zum Glück wieder rundum gut. Für mich war die Zeit schwierig, aber auch lehrreich. Oft ist es nicht die Menge der Arbeit, die einen belastet, sondern Situationen, die aus dem Ruder zu laufen drohen. Vielleicht sind es auch innere Einstellungen und Denkmuster, die Stress verursachen. Für mich sind die Gründe für das Burn-out so unklar wie die Gründe dafür, dass es plötzlich weg war. Im Mai verbesserte sich meine Situation rasch.
Hat Sie die Krankheit verändert?
Somm: Man verändert sich ja permanent und wird reifer und erfahrener. Ich selber wie mein Umfeld glauben aber nicht, dass mich das Burn-out gross verändert hat.
Sie kehren rasch in die Politik zurück. Geht das, weil Sie inzwischen auch entspannter damit umgehen?
Somm: Vielleicht politisiere ich jetzt lockerer. Das heisst aber nicht, dass ich mich nicht nach wie vor mit Herzblut für meine politischen Anliegen einsetze. Sollte mir die Rückkehr in die Politik gelingen, werde ich mich aber auf die Kerngeschäfte konzentrieren. Entgegen des schlechten Rufs der Politik war sie für mich nicht nur Arbeit, sondern ich erhielt im Gegenzug auch viel, etwa spannende Begegnungen Wer offen ist für andere Meinungen, kann auch seinen Horizont erweitern.
Interview: Marc Haltiner
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