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Thurgauer Zeitung
23. November 2013, 02:52 Uhr

Grüne besuchen grünes Modell

Mit der Initiative «Für eine Grüne Wirtschaft» wollen die Grünen die Wegwerfgesellschaft eindämmen. Die Eschliker Unternehmen InnoRecycling AG und InnoPlastics AG kämpfen schon heute mit Recycling dagegen.

SEBASTIAN KELLER

ESCHLIKON. Altpapier, Plastikflaschen, Glas: Die Menschen werfen fast alles in die Sammelwand der InnoRecycling AG in Eschlikon. Eine Delegation der Grünen Partei um Co-Präsidentin Regula Rytz, die aus Bern angereist war, zeigte sich bei einem Besuch begeistert. Markus Tonner, Geschäftsführer, nahm die grünen Politikerinnen und Politiker mit auf eine Betriebsführung mit Hauptaugenmerk Kunststoff. «Das ist eine grosse Herausforderung», sagte Tonner vor Kunststofftürmen hoch wie Häuser. «Vieles sieht gleich aus, wir haben aber mit rund 120 verschiedenen Kunststoffqualitäten zu tun.» Das zeigt sich auch bei den Preisen: Auf dem Markt werden zwischen 0 und 700 Franken pro Tonne bezahlt. «Es kommt auf das Material an», sagte Tonner. Die Preise schwanken. Wenn die Preise höher sind, sortieren die Mitarbeiter genauer. «Wenn sie tief sind, lohnt sich dieser Aufwand nicht», sagte Tonner.

Den Kreislauf schliessen

Was Polyethylen (PE) ist – etwa Spülmittelflaschen –, verwertet die Schwesterfirma InnoPlastics am selben Standort. Nach mehreren automatisierten Arbeitsschritten kommt Granulat heraus. Dieses kann die Rohr- und Folienindustrie für neue Produkte verwerten. Kabelschutzrohre sind ein Produkt, das aus dem Granulat entsteht. Darüber informierte Martin Model, Gründer der InnoPlastics AG. «Wir reden immer mehr über mehr Schichten», sagte Model. Das heisst: Eine Schicht einer Verpackung besteht aus Granulat, die anderen aus anderen Materialien. Damit wäre der Kreislauf geschlossen. Model räumte noch mit einem Mythos auf: Die Schweizer seien nicht Recycling-Weltmeister; das seien die Österreicher.

Belohnen, wer sammelt

Vom Kunststoffrecycling ist Model überzeugt. In die Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) gehören nur jene Abfälle, die nicht mehr verwertet werden können. Nach Models Meinung sollte belohnt werden, wer sammelt und nicht alles in denselben Abfallsack wirft. Wenn es freiwillig nicht funktioniere, brauche es gesetzliche Grundlagen. In dieser Frage kommt die Grüne Partei ins Spiel. Diese hat die Initiative «Grüne Wirtschaft» lanciert. Mit dieser wollen sie die Schweiz von einer Wegwerf- zu einer Kreislaufwirtschaft umfunktionieren. Wie Pascal Renaud, Fachsekretär der Partei, gegenüber der Thurgauer Zeitung sagte, rechnet er mit einem frühesten Abstimmungstermin im Jahr 2015. Markus Tonner begrüsst die Bestrebungen der Grünen Partei.

Für alles eine Verwendung

Tonner zeigte anhand einer Auswertung einer Kunststoffsammlung auf, dass 60 Prozent Wertstoffe sind, die in einem Kunststoffsammelsack zusammenkommen (siehe Text links). Das heisst Stoffe, die wieder für neue Produkte verwendet werden können. Auch der Rest findet eine Verwendung, etwa in der Zementindustrie. Vor der Weiterverarbeitung muss der Kunststoff aber sortiert werden. In der Schweiz seien die Mengen derzeit noch zu gering für eine Maschine, die vollautomatisch sortiert. Wie Markus Tonner aufzeigte, würde eine komplette Umkehr – wie sie die Grünen mit der Initiative fordern – grosse Umwälzungen zur Folge haben.



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