Ziemlich konstant in schwierigen Zeiten

KONKURRENZ ⋅ Auch wenn das eine oder andere Fachgeschäft zurzeit ferienhalber geschlossen hat; der Einkaufstourismus bewegt den ­Thurgauer ­Detailhandel. Das zeigt eine Umfrage deutlich. Doch insgesamt gibt sich die Branche leicht optimistisch.
17. Juli 2017, 05:17
Christof Lampart

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch

96 Mitglieder von TGshop, dem Dachverband der Thurgauer Detailfachhandelsgeschäften, haben in diesem Frühjahr an einer internen Umfrage teilgenommen. Ganz generell ging es darum, die Geschäftsjahre 2015 und 2016 miteinander zu vergleichen. Die Umfrage konzentrierte sich vor allem auf die Zufriedenheit der Detailhändlerinnen und Händler mit dem gesamten Geschäftsjahr 2016.

Der Verband TGshop zählt insgesamt 250 Mitglieder. 41 der Teilnehmer gaben ihren Standort als «ländlich» an, 54 als «städtisch». Die meisten Umfrageteilnehmer sind in der Sektion Weinfelden (22 Prozent) zu Hause, gefolgt von den Sektionen Kreuzlingen (19) sowie Amriswil und Frauenfeld (je 15). Den Schluss der Teilnehmerrangliste zieren die Sektionen Mittelthurgau (8), Bischofszell (7), Romanshorn (5) und Hinterthurgau (4). Der Frauenfelder Verbandspräsident und Rechtsanwalt Matthias Hotz wertet die Teilnahme zahlenmässig denn auch als ein «durchaus repräsentatives Resultat» und ist dankbar für diesen «Stimmungsbarometer» der Mitglieder.

Es ist eine gewisse Stabilität vorhanden

In den diversen Kategorien gaben zwischen 30 und 37 Prozent der Befragten die Entwicklung ihrer Geschäfte mit «tiefer/schlechter als im Vorjahr» an. Das auffallendste Resultat der Umfrage war aber, dass ein deutlich grösserer Teil der Ladenbesitzer – nämlich je nach Frage 43 bis 54 Prozent der Befragten – die Situation mit «ungefähr gleich wie im Vorjahr» angab. Wenig überraschend war, dass nur wenige Fachgeschäfte – zwischen 15 und 20 Prozent – die Umsatzentwicklung als «besser als im Vorjahr» erachteten.

Für Verbandspräsident Hotz ist dieses Resultat «ein gutes Zeichen». Vor allem aufgrund des Umstandes, dass die Klagen vieler Fachgeschäfte über die harte Konkurrenz durch den Einkaufstourismus unüberhörbar seien. Die Existenz eines breiten Mittelfelds deute «auf eine gewisse Stabilität hin» – trotz zunehmend schwieriger Zeiten. Hotz zeigt sich erfreut über eine trotz allem spürbare optimistische Grundhaltung.

Sonntagsverkäufe sind kaum gefragt

Auf die Frage, wie sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2016 entwickelt habe, antworteten 37 Prozent der befragten Detailhändler mit «schlechter», 43 Prozent mit «ungefähr gleich» und 18 Prozent mit «besser». Besonders wichtig ist für viele Fachgeschäfte das Weihnachtsgeschäft – weshalb die Umfrage auch gezielt nach den Umsätzen in den Monaten November und Dezember fragte. 32 Prozent sagten «schlechter», 47 Prozent «ungefähr gleich» und 20 Prozent «besser». «Weniger ist mehr» findet dagegen die Mehrheit der Detaillisten beim Thema «Sonntagsverkäufe». 32 Prozent sprachen sich für «keinen Sonntagsverkauf», 52 Prozent für «einen Sonntagsverkauf» aus. Nur gerade 15 Prozent wünschten sich zur Weihnachtszeit die Möglichkeit, zwei Sonntagsverkäufe anbieten zu können.

Die interessanteste Frage ist diejenige nach den aktuellen Umsatzerwartungen. 30 Prozent kreuzten fürs Geschäftsjahr 2017 «tiefer» an, 54 schätzten ihre Lage als «ungefähr gleich» und 15 Prozent als «höher» ein. Interessant – auch wenn die Differenz nur klein ist – ist die Einschätzung der Thurgauer Fachgeschäfte hinsichtlich des Einflusses von Online-Handel und Einkaufstourismus auf ihre Kundenfrequenz und ihren Umsatz. Rund ein Drittel der Geschäfte werteten den Einfluss des Online-Handels (36 Prozent) beziehungsweise des grenznahen Einkaufens (34 Prozent) als «stark». Dennoch befand Hansjörg Brunner, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes, dass es viel zu früh sei, um die Waffen zu strecken. Brunner sprach an der TGshop-Jahresversammlung Ende Juni in Kreuzlingen zu den Detailhändlern. Er betonte, Fachgeschäfte hätten einen wichtigen Pluspunkt gegenüber Konkurrenz aus dem Internet: «Der Online-Handel kann keine Dienstleistung erbringen, Sie schon!»


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