«Wir bündeln die Kräfte»

JUBILÄUM ⋅ Der Thurgauer Gewerbeverband (TGV) setze sich an vorderster Front für gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein, sagt Präsident Hansjörg Brunner. Schon seit 125 Jahren.
12. Mai 2017, 07:02
Christian Kamm

Christian Kamm

christian.kamm

@thurgauerzeitung.ch

Hansjörg Brunner, der Gewerbeverband feiert heute sein 125-jähriges Bestehen. Eine Erfolgsgeschichte?

Mit Sicherheit. Der TGV sorgt für gebündelte Kräfte. Wir sind die starke Stimme der mittelständischen Unternehmerschaft. Seit 125 Jahren setzen wir uns gemeinsam für den Wirtschaftsstandort Thurgau ein – zum Wohle unserer Mitglieder und zum Wohle der ganzen Gesellschaft.

Was heisst das konkret?

Unser Verband hat sich ständig weiterentwickelt und sich der aktuellen Probleme angenommen. Unsere Mitgliedsfirmen sind die wichtigsten Arbeitgeber im Kanton und sie sorgen für die Ausbildung junger Menschen. Deshalb hat sich jeder Einsatz für das Handwerk und Gewerbe früher gelohnt und lohnt sich auch heute noch, denn wir setzen uns an vorderster Front für möglichst gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein.

Welches ist für Sie die wichtigste Erkenntnis aus der Vergangenheit?

Was wirklich auffallend ist: Bereits am 3. Mai 1886, also vor mehr als 130 Jahren, wurden im Thurgau die ersten Lehrabschlussprüfungen durchgeführt. Dieser Wille der Betriebe, junge Menschen auszubilden, diese bis heute ungebrochene Zuversicht, dass jede Generation über tolle junge Männer und Frauen verfügt, das beeindruckt mich am meisten.

Der Gewerbeverband hat grossen Einfluss auf die Kantonalpolitik. Einverstanden?

Und wie! Tausende von Betrieben mit Zehntausenden von Arbeits- und Ausbildungsplätzen haben selbstverständlich Einfluss – natürlich auch auf die Politik. Es ist wichtig und legitim, dass wir uns politisch engagieren. Schliesslich bilden unsere Mitglieder das Rückgrat der Wirtschaft. Wir vertreten nicht Partikularinteressen, sondern die Wirtschaft und unseren Wirtschaftsstandort im Gesamten. Wir fordern, wo wir es für nötig halten, wir kämpfen, wenn man uns dazu zwingt. Unsinnige Gesetze, ständig steigende Gebühren und administrativer Wahnsinn sind dem TGV seit jeher ein Dorn im Auge.

Böse Zungen behaupten, die Regierung tanze nach der Pfeife des Gewerbes.

Schön wär’s ja. Aber der TGV hat in der Tat ein traditionell enges und gutes Verhältnis zur Regierung. Und mit der Arbeit des Regierungsrates sind wir grundsätzlich zufrieden, auch wenn wir oft nicht der gleichen Meinung sind. Unsere Bedürfnisse werden aber immer ernst genommen, und man hat immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen.

Die aktuellen Herausforderungen sind gross. Stichwort starker Franken, Onlinehandel oder Einkaufstourismus. Macht sich im Gewerbe Pessimismus breit?

Nein. Pessimismus war noch nie ein Markenzeichen des Gewerbes, dafür aber Mut, Zuversicht und Innovationsgeist. Einzelne Branchen stehen unter extrem grossem Druck und müssen hart ums Überleben kämpfen, das ist so. Hier ist unserer Meinung nach vor allem auch die nationale Politik gefragt. Das veränderte Einkaufsverhalten verlangt dagegen an allen Fronen höchsten Einsatz der betroffenen Firmen. Langfristig bin ich da zuversichtlich. Wir werden das im Thurgau gemeinsam stemmen.


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