Primarschule Götighofen

«Tschüss, Mami, ha di gern!»

15. August 2017, 05:16

Ruven und Ruben haben ihre Plätze gleich nebeneinander auf dem Bänkli. Ihre Lehrerin Cindy Steiger hängt die Namenstäfelchen in der Garderobe auf und lässt sich nicht beirren, obwohl der heutige Tag auch für sie der erste Schultag in Götighofen ist. Noch eine Viertelstunde, dann beginnt das neue Schuljahr und die Kinder werden das Schulhaus betreten.

Kinder aus Götighofen (Gemeinde Sulgen), aus Heldswil (Gemeinde Hohentannen) und aus Buchackern (Gemeinde Erlen) kommen hierher zur Schule, die irgendwo im Nirgendwo zwischen den drei Dörfern zu liegen scheint. So stellt man sich eine Landschule vor.

«Als ich gesehen habe, dass hier eine Stelle in der Basis­stufe frei wird, habe ich mich sofort beworben», sagt Cindy Steiger. Mit ihrer Kollegin Andrea Helfenberger hat sie nun eine Klasse mit je 13 Kindern. Die Basisstufe eins und zwei entspricht dem Kindergarten, die Basisstufe drei und vier der 1. und 2. Klasse. Ebenfalls zwei Lehrerinnen kümmern sich um die 3. und 4. und um die 5. und 6. Klasse. Also bedeutet der Übertritt vom Kindergarten in die Primarschule in Götighofen keinen Klassenwechsel. Die Mitschüler sind noch dieselben wie vor den Sommerferien – nur die Klassenverantwortung liegt bei der anderen Lehrperson.

Dennoch finden sich an diesem Montagmorgen sechs Mamis ein, um beim ersten Chindsgi- oder Schultag ihres Kindes dabei zu sein. Für einen Buben aus dem zweiten Kindergartenjahr hält sich die Freude in Grenzen. Es ist wohl nicht sein Tag, denn schon in der Garderobe fliessen erste Tränchen. Irgendein Problem mit den Finken. Mehr war aus der tränenerstickten Stimme nicht herauszuhören.

Um Viertel nach acht sitzen alle 26 Kinder im Kreis und erzählen von ihren Ferien. Steiger und Helfenberger spielen ein kleines Puppentheater mit den Mäusen Sam und Julia vor. Die Kinder lachen, gehen mit. Nur bei einem traurigen Buben fliessen unaufhörlich Tränen. Cindy Steiger versucht ihn mit der Maus Sam zu trösten und setzt ihm die Puppe auf sein Knie. Zumindest für einige Minuten hilft das.

In der Kreismitte steht eine Vase mit vielen Rosen.«Nun dürft ihr eine Rose holen und sie euren Mamis bringen. Dann werden sie sich von uns verabschieden», sagt Cindy Steiger zu den Kindern. «Und wessen Mami nicht hier ist, der darf ihr am Mittag eine Rose nach Hause bringen.» Ein Mädchen holt sich eine Blume, überreicht sie der Mutter und ruft dieser, als sie das Zimmer verlässt, «Tschüss, Mami, ha di gern!» hinterher. Dieser Satz rührt nicht nur die noch anwesenden Mamis zu einer verstohlenen Träne. (man)


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