Thurgau will Erinnerungsorte für Opfer von Zwangsmassnahmen

WIEDERGUTMACHUNG ⋅ Im Kanton Thurgau soll es Orte geben, wo an die Opfer der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen erinnert wird. Der Regierungsrat setzt eine Arbeitsgruppe ein, die einen entsprechenden Vorschlag ausarbeiten soll.
25. Januar 2018, 11:46
Das Gesetz über die Aufarbeitung der Zwangsmassnahmen vor 1981 motiviere die Kantone dazu, «Zeichen der Erinnerung» an die Vorgänge zu schaffen, teilte der Thurgauer Regierungsrat am Donnerstag mit. Eine Arbeitsgruppe soll dem Regierungsrat im Laufe dieses Jahres einen Vorschlag einreichen, wie diese Erinnerungsgedenken ausgestaltet und wo die Erinnerungsorte eingerichtet werden sollen.

In den letzten Monaten seien bereits mehrere Forderungen und Vorschläge diesbezüglich eingegangen, schreibt der Regierungsrat. Zum Beispiel werde gewünscht, dass auch die Ergebnisse aus den Abklärungen über die Medikamententests in Münsterlingen von den 1940er-Jahren bis in die 1980er-Jahre miteinbezogen werden.

Zur Arbeitsgruppe gehören alt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling, Die Chefin des Kulturamtes Martha Monstein sowie der Staatsarchivar André Salathé.

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen waren in der Schweiz bis 1981 angeordnet worden. Zehntausende von Kindern und Jugendlichen wurden an Bauernhöfe verdingt oder in Heimen platziert, viele wurden misshandelt oder missbraucht. Menschen wurden zwangssterilisiert, für Medikamentenversuche eingesetzt oder ohne Gerichtsurteil weggesperrt, weil ihre Lebensweise nicht den Vorstellungen der Behörden entsprach. (sda)

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