Nach Hefenhofen: Kantonstierarzt Witzig soll über die Klinge springen

THURGAU ⋅ Am Freitag überreicht ein Bürgerprotest aus Romanshorn eine Petition mit 4500 Unterschriften an Regierungsrat Schönholzer. Die Hauptforderung: personelle Konsequenzen im Fall Hefenhofen.
14. November 2017, 16:49
Silvan Meile
Die Bilder leidender Pferde aus Hefenhofen haben Carmen Bruss aufgewühlt. Sie will, dass Menschen für dieses Tierleid bestraft werden. «Zack, freistellen – fristlos», sagt die Vizepräsidentin des Vereins Brennpunkt Schweiz mit Sitz in Romanshorn. Bruss nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie spricht vom Thurgauer Kantonstierarzt, der sofort seinen Hut nehmen soll, weil er für das Leid, das ein mutmasslicher Tierquäler in Hefenhofen seinen Pferden zufügte, verantwortlich sei. Zu gravierende Fehler habe Paul Witzig begangen. «Komplett versagt», bilanziert Bruss. Ein Angestellter einer Firma werde nach so massiven Fehlleistungen auch entlassen. 


«Die laufende Untersuchung ist nur Volksberuhigung»

4500 Unterschriften will die Rheintalerin aus Diepoldsau mit dem Romanshorner Markus Holzer, Präsident des Vereins Brennpunkt Schweiz, am Freitag der Thurgauer Regierung überreichen. Die Petition, in der «gravierende Amtsmissbräuche und Amtspflichtverletzungen» angeprangert werden, soll klären, wer welche Fehler begangen hat. 

Die Stossrichtung der beiden SVP-Mitglieder ist klar: «Wir fordern personelle Konsequenzen!», steht bereits im Titel der Petition. Eines weiss Bruss schon heute: «Herr Witzig hat die Kontrollen verschlampt und zu lange zugeschaut.» Er müsse weg. Sofort. Das läge doch auf der Hand. Diese Forderung werde der Verein Brennpunkt Schweiz am Freitag an Walter Schönholzer richten. Denn der zuständige Regierungsrat gewähre den Petitionären eine einstündige Unterredung vor der Übergabe der Unterschriften.

Doch sollen nicht die Resultate der unabhängigen Untersuchungskommission um Hanspeter Uster, die den Fall Hefenhofen aufrollt, zuerst abgewartet werden? «Das ist einfach nur Volksberuhigung», sagt Bruss. Diese Kommission brauche es nicht, sie verschleudere sowieso nur Steuergelder. Regierungsrat Walter Schönholzer hingegen hat in einem E-Mail an die Petitionäre bereits dargelegt, was er von dieser Stossrichtung hält: «Ich bitte Sie, von dieser Vorverurteilung des Kantonstierarztes Witzig Abstand zu nehmen. Die Ergebnisse der Untersuchungskommission und das laufende Strafverfahren werden zeigen, ob und falls ja, welches Verschulden Kantonstierarzt Witzig trifft.»


Der Wutbürger trat vor einem Jahr in Erscheinung 

Die Forderung nach personellen Konsequenzen ist bereits die zweite Petition, die Brennpunkt Schweiz an die Thurgauer Regierung richtet. Kurz nachdem die medialen Wogen im Fall Hefenhofen hochgingen, forderte der Verein in einer Petition, dem Pferdezüchter die Tiere wegzunehmen. 13 000 Unterschriften sollen damals in der emotionalen Debatte zusammengekommen sein. Die meisten über das Internet. Bei solchen Beschwerdeschriften darf jedermann unterschreiben, Wohnort und Alter sind egal.

Brennpunkt Schweiz agitiert seit einem Jahr übers Internet im rechten Spektrum der Politik. Kopf der nationalkonservativen Protestgruppe, der gemäss Bruss 30 bis 40 Personen angehören, sich dennoch als «Volksbewegung» versteht, ist der Romanshorner Markus Holzer. Kürzlich griff dieser den Romanshorner Stadtrat nach der Budgetversammlung in sozialen Medien an. Vor einem Jahr machte er sich einen Namen als Wutbürger. Holzer rief damals zu einer Kundgebung auf dem Bundesplatz auf, weil die Politik den Volkswillen missachte. Die geplante Demonstration fiel jedoch ins Wasser. 

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