Er kickt mit Juventus

COMPUTERSPIEL ⋅ Im Thurgau gibt es drei Fifa-eSportler auf hohem Niveau. Einer davon ist der Arboner Yannick Gurtner. Der 24-Jährige lebt in Kreuzlingen und kam beim Schweizer-Meisterschafts-Turnier in Lugano bis in den Halbfinal. Jetzt will er Profi werden.
28. August 2017, 20:43
Peter Exinger
Sportler gibt es im Thurgau viele. Aber eSportler? Das sind Menschen, die auf der Konsole gegeneinander spielen. Und das recht gut können. Also besser. Viel besser als die anderen. Allerhöchstens zwei können mit Yannick Gurtner in Kreuzlingen «mithebe», wenn er auf der Playstation4 Fifa spielt.
eSportler laufen nicht aufs Tschuttifeld. Aber ein Tenü zieht Gurtner schon an. Darauf steht «League4Kings». Er ist bei der kleinen Berliner Agentur unter Vertrag, die so heisst. «Die beiden Inhaber coachen mich, schicken mich an Turniere, übernehmen die Reisespesen.» Im Moment sei das ein Nebenjob. Leben könne er davon nicht. Aber das sei sein Traum. Einen grossen Schritt hat er bereits gemacht: Die Agentur hat sich nämlich bei ihm gemeldet. Nicht umgekehrt.

Mit einem Spiel Geld verdienen

Gurtner muss ein Ziel haben. Der Zivildienst am Kantonsspital Frauenfeld ist im September vorbei. Dann muss er sein Leben anderweitig finanzieren. «Entweder ich gehe zurück in die Immobilienbranche oder ich werde Fifa-eSportler.» Dann würde er fürs Gamen bezahlt? Ja, wie die Kicker. Die bekommen schliesslich ebenfalls Geld fürs Spielen.

Auch der eSportler Gurtner ist bis vor drei Jahren auf dem grünen Rasen daheim gewesen. Zuerst beim FC Arbon, während der Sek-Zeit sogar beim FCSG. «Aber ich musste mich schliesslich für die Schule entscheiden, weil es bei mir knapp war.» Danach gab’s Fussball für ihn nur noch als Amateur und zum Spass. Und zusätzlich virtuell auf der Konsole.

Der gelernte Mediamatiker Yannick Gurtner spielt seit 15 Jahren Fifa. Einige, die das ebenfalls machen, sind bereits Profis. Das sei eine Entwicklung der letzten Wochen und Monate. Der FC Basel hat drei eSportler unter Vertrag, die unter seinem Namen gamen. Der FCSG zwei junge eSpieler seit diesem Winter. 

In Österreich und Holland wird bereits eine regelrechte eLiga gespielt – unter Gamern. Vielleicht wird schon bald jeder Verein der ersten Klasse auch ihre eigenen eSpieler stellen – so hoffen die Organisatoren. In der Schweiz wartet man ab, schaut aber aufmerksam über die Grenzen hinaus – verschlafen will man den Boom nicht.

Starke Abwehr, Chancen auf Kontertore

Gurtner muss sich derzeit mit kleinen Brötchen begnügen. Beim Schweizer-MeisterschaftsTurnier im Juli in Lugano kam er in den Halbfinal. Zuerst musste er ein Qualifikationsturnier überstehen und sich dann in Lugano gegen 30 Konkurrenten durchsetzen. Dabei treten die eSportler 1:1 gegeneinander an. Gurtner am liebsten mit Juventus. Starke Abwehr. Chance auf Kontertore. Während im realen Leben Lionel Messi auf Yannick Gurtner Eindruck macht, sind es virtuell der Juve-Verteidiger Chiellini und der Juve-Stürmer Dybala.

eSport hat Zuschauer. «Die Finalspiele kann man im Live-Stream sehen», sagt Gurtner. Die Clubs erhoffen sich, dadurch Nachwuchszuschauer für die reale Mannschaft anzubinden. Fussballsponsoren wie Raiffeisen wären Berichten zufolge auch an eSport-Ligen in der Schweiz interessiert.

Yannick Gurtner tritt auch als Mannschaft an. Mit Cedric Roth, seinem Freund aus Kindheitstagen in Arbon. Dann spielen die beiden zwei gegen zwei auf der Konsole. Auch Cedric Roth ist mittlerweile bei «League4Kings» unter Vertrag.

Am kommenden Wochenende gibt es ein Turnier im Kreuzlinger Dreispitz. Dort winken dem Sieger 4000 Franken Preisgeld. Die will sich Yannick Gurtner holen. Das ist für die Schweiz schon ein recht beachtlicher Betrag. Der Weltmeister in London hat vorletzte Woche als Sieger 200000 Dollar eingestrichen. Der Boom geht also hierzulande erst jetzt so richtig los.

eSportler spielen nicht nur FIFA

Als eSportler bezeichnet man mehr oder weniger professionelle Gamer, die per Konsole (wie Playstation oder x-Box) oder Computer gegeneinander in Spielen antreten. Die wichtigsten Games heissen: Counter Strike ist ein sogenanntes Ego-Shooter-Spiel, in dem pro Team fünf Spieler gleichzeitig gegeneinander antreten. Dota – ein Strategiespiel, in dem zwei Teams mit bis zu fünf Spielern gegeneinander antreten. League of Legends – ein Strategiespiel für Teams von drei oder fünf Spielern.
 
Hinweis: Ein Fifa17-Turnier findet am kommenden Wochenende im Kreuzlinger Dreispitz statt. Samstag 1:1-Spieler. Sonntag 2:2-Spieler – jeweils 12 bis 20 Uhr.

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