Sex im Tierreich

Was Sie schon immer über das Liebesleben der Tiere wissen wollten – eine Sonderausstellung des Naturmuseums gibt darüber erschöpfend Auskunft. Der Titel spricht für sich: «Flotte Bienen, tolle Hechte».
02. Dezember 2016, 02:35
Christof Lampart

Menschen tun sich mitunter ziemlich schwer, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Doch dies ist mitnichten mit den Schwierigkeiten zu vergleichen, mit denen viele Tiere, die bestrebt sind, sich zur Arterhaltung fortzupflanzen, im wahrsten Sinne zu kämpfen haben.

Die jüngste Sonderausstellung im Naturmuseum Thurgau in Frauenfeld geht umfassend darauf ein, wie kreativ, zeitaufwendig und manchmal auch tödlich die Fortpflanzung in der einheimischen (und teilweise auch globalen) Fauna vonstatten geht. Und doch: Für den Direktor des Naturmuseums Thurgau, Hannes Geisser, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Sex zur Fortpflanzung überhaupt nötig ist. «Einzeller, die sich vermehren, indem sie sich einfach selbst teilen, gibt es schon seit vier Milliarden Jahren. Der Umstand, dass es ein zweites Geschlecht gibt, ist hingegen erst 600 Millionen Jahre alt.» Dennoch habe Sex gegenüber der einfachen Zellteilung viele Vorteile: «Dadurch erweitert sich die genetische Vielfalt enorm – was einer Tierart zweifelsohne dabei hilft, zu überleben.» Und auf letzteres – das «survival of the fittest» – komme es schliesslich an.

Gefährliche Liebschaften

Dass der Paarungsakt auch gewisse Risiken beinhaltet, verwundert nicht. Die Höckerschwandame droht bei der Begattung buchstäblich zu ertrinken, die Bienendrohne stirbt nach der Paarung in jedem Fall, und das Gottesanbetermännchen riskiert es, während des Zeugungsaktes vom Kopf her von der Geliebten gefressen zu werden. Laut Geisser ist das – zumindest von der Gottesanbeterin her – sinnvoll, denn «im hinteren Teil befinden sich die Spermien, die sie braucht – dafür benötigt sie den Kopf des Männchens aber nicht, sondern nur als Proteinquelle für sich und die Jungen». Nichtsdestotrotz sind viele Zeugungsakte eindrucksvoll nachgestellt, aber auch Jung- und Einzeltiere sind in dieser für Kinder wie auch für Erwachsene höchst interessanten Ausstellung zu sehen. Dabei legen die Ausstellungsmacher grossen Wert auf die Feststellung, dass kein einziges der hier gezeigten Tiere wegen der Ausstellung getötet worden ist. Viele der liebevoll präparierten Tiere wurden überfahren oder lagen sonst irgendwo tot herum. Oder es handelt sich um Frühgeburten, bei denen das Jungtier die ersten Tage oder Wochen nicht überlebt hat.


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