Schönholzer war mal Ausländer

Walter Schönholzer will in den Regierungsrat. Den passenden Rucksack dafür habe er gepackt, sagt er. Doch der FDP-Kantonsrat hat Konkurrenz aus der GLP. Seinen Herausforderer Ueli Fisch nimmt er sehr ernst.
08. Februar 2016, 02:40
MICHèLE VATERLAUS

KRADOLF-SCHÖNENBERG. Walter Schönholzer blättert in seinem Wandkalender 2016. «Das war auf einer Skitour in Norwegen», sagt er. «Wenn ich mich aufrege, muss ich nur diese Bilder anschauen, und die Welt sieht wieder anders aus.» Auf Ski- oder Bergtouren kann der Regierungskandidat am besten abschalten. Er bezieht jedes Jahr immer alle Ferientage. Ist er aber an der Arbeit, dann ist es ihm egal, wenn er Überstunden macht. «Ich mache meine Arbeit sehr gerne, motiviert und mit Engagement. Dann ist das kein Problem.»

Nach zehn Jahren Erfahrung als Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg und sieben Jahren als FDP-Kantonsrat sucht er aber eine neue Herausforderung als Regierungsrat. Er kandidiert als Nachfolger für den Sitz von Kaspar Schläpfer.

An vorderster Front

«Ich finde es unglaublich spannend, im Kanton Thurgau an vorderster Front mitzugestalten.» Die insgesamt 20 Jahre in der Exekutive von Kradolf-Schönenberg könne man durchaus als Lehrjahre bezeichnen. Aber auch die Jahre davor, die er in der Wirtschaft gearbeitet hat, hätten ihn einiges gelehrt. «Ich weiss, wie die Wirtschaft, aber auch wie eine Verwaltung funktioniert.» Gross geworden ist er auf einem Bauernhof – noch ein Fachgebiet, in dem er sich auskennt. Er hat sogar die Lehre als Landwirt begonnen, hat sich aber dann für eine kaufmännische Laufbahn entschieden. «Ich war mit zu wenig Leidenschaft dahinter. Mein jüngerer Bruder, ich bin das älteste von vier Kindern, war mit mehr Herz dabei. Er hat den Hof meiner Eltern übernommen.» Schönholzer arbeitete jahrelang im internationalen Verkauf und Marketing, er war deswegen viel im Ausland unterwegs. Ein Jahr lang lebte er in Paris. «Ich war einmal Ausländer, das ist eine wertvolle Erfahrung.» Das sei der Rucksack, den er an Erfahrungen und Wissen mit in den Regierungsrat nehmen könne. Dazu kommt ein Netzwerk im ganzen Kanton Thurgau und im Grossen Rat. «Als Politiker muss man Mehrheiten gewinnen, da ist ein solches Netzwerk unerlässlich.»

Ernstzunehmender Konkurrent

GLP-Kantonsrat Klemenz Somm ist überzeugt, dass sich Walter Schönholzer für eine Kollegialbehörde wie den Regierungsrat eignet. Er sei ein umgänglicher Mensch. «Auf der anderen Seite glaube ich aber nicht, dass er ein Reisser ist.» Somm stört sich daran, dass bei einer allfälligen Wahl Schönholzers vier der fünf Regierungsmitglieder aus einer Gemeindebehörde kämen. «Das bildet doch die Bevölkerung nicht ab», sagt er. Jemand, der unternehmerischen Esprit in die Behörde bringe, würde ihr guttun. Somm räumt aber ein, dass er vielleicht nicht ganz neutral sei. Denn die GLP schickt Ueli Fisch ins Rennen um den freiwerdenden Sitz im Regierungsrat. Diese Konkurrenz nimmt Schönholzer ernst. «Ich schätze Ueli Fisch.» Doch Schönholzer fragt sich, mit welcher Hausmacht Ueli Fisch Regierungsrat wäre. Die GLP ist eine kleine Partei, Fisch wäre immer allein.» Eine Kritik an seinem Konkurrenten übt er dennoch: «Die GLP ist mehr links und grün als liberal.» Auch wenn Fisch selbst Unternehmer sei, wie Schönholzer noch anfügt.

Sorge um die Industrie

Als Liberalem liegt Schönholzer natürlich die Wirtschaft am Herzen. Die aktuelle Krise bereitet ihm besonders Sorgen. «Wir sind ein Kanton mit viel Industrie. Müssen die Unternehmen ihre Produktion aus Kostengründen vermehrt ins Ausland auslagern, dann ist das dramatisch für den Wirtschaftsstandort und die Arbeitnehmer.» Interessant findet er die Raumplanung. So beispielsweise die Suche nach einer Lösung bei der Diskussion, in der von der einen Seite der Schutz des Kulturlands gefordert wird und auf der anderen Seite Kritik laut wird, dass durch die Beschränkungen die Entwicklung der Gemeinden beeinträchtigt wird. Es sei eine Doppelmoral, wie beim Handy: «Alle wollen es und benutzen es, aber niemand will eine Antenne.» Ein anderes Thema sei die Energiewende. «Da sind wir alle gefragt.» Auch hier weist er auf eine Doppelmoral hin: «Auf der einen Seite sollen erneuerbare Energien gefördert werden. Auf der anderen Seite verhindert man den Ausbau der Grimsel-Staumauer.»

Der gute Schlaf

Welches Departement Schönholzer bei einer Wahl am liebsten übernehmen möchte, sagt er nicht. «Das jüngste Regierungsmitglied fügt sich den Wünschen der bisherigen Regierungsräte», sagt er. Deshalb behalte er für sich, welches Departement sein Wunsch wäre. Regierungsrat zu werden, das würde ihn freuen. «Ich schlafe derzeit sehr gut, das ist ein guter Gradmesser. Also stimmt das für mich.»


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