Outing im Sport bleibt schwierig

Thurgauer Sportverbände und -vereine begrüssen den Kampf gegen die Diskriminierung von homosexuellen Sportlern. Massnahmen treffen sie aber keine, denn bis heute hat sich im Kanton Thurgau kein einziger Sportler geoutet.
14. Mai 2014, 02:35
STEFAN ETTER

FRAUENFELD. Das Outing des deutschen Ex-Fussballers Thomas Hitzlsperger hat in der Öffentlichkeit ein grosses Echo erzeugt – und einen Stein ins Rollen gebracht. Denn kurz darauf hat die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Sportämter Ende Januar eine nationale Kampagne lanciert. Das Ziel: der Kampf gegen die Diskriminierung von homo- und bisexuellen Sportlern. «Das finde ich gut», sagt Roger Lienheer, Präsident der Homosexuellen Organisation Thurgau (HOT). «Es kommt leider immer noch vor, dass gleichgeschlechtlich Liebende ausgegrenzt, verspottet oder sogar bedroht und geschlagen werden.»

Kampagne wird begrüsst

Doch die Kampagne scheint sich auf die Thurgauer Sportwelt nur geringfügig auszuwirken. Denn laut dem Fussballverband, dem Turnverband und dem HC Thurgau gibt es bis heute keinen einzigen Sportler im Thurgau, der sich geoutet hat.

Das bestätigt auch Peter Bär, Chef des kantonalen Sportamts. «Gäbe es Outings, wüssten wir davon. Wir pflegen einen intensiven Austausch mit den Sportverbänden und -vereinen.» Für Bastian Baumann, Geschäftsführer der Schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross, ist das Resultat nicht verwunderlich, da es im Sport klare Rollenbilder gibt. «Fussballer oder Eishockeyspieler müssen in unseren Köpfen beispielsweise harte Männer sein, die hart in die Zweikämpfe gehen.» Für viele sei es heute immer noch unvorstellbar, dass auch Schwule Fussballer oder Boxer sein können. Dieses Klischee halte sich hartnäckig.

Keine Massnahmen nötig

Beim Thurgauer Fussballverband kommt die Kampagne laut Paul Merz, Vorstandspräsident, aber gut an. Ähnlich sieht es Peter Bär. «Das Thema muss angesprochen werden.» Auch Patrick Bloch, Mediensprecher und Spieler des HC Thurgau, findet die Kampagne sinnvoll. «Warum sollen Homosexuelle nicht die gleichen Rechte haben wie Heterosexuelle?» Für Andreas Brühwiler vom Thurgauer Turnverband würden gerade im Sport Homosexuelle diskriminiert. «Solange ein Outing im Sportbereich eine derartige Reaktion auslöst wie kürzlich beim deutschen Fussballer, ist es wichtig, Homosexualität zu thematisieren.»

Roger Lienheer von der HOT führt zusätzlich die psychologische Zwickmühle vor Augen. «Wer sich outen kann, der muss niemanden belügen und kann noch leistungsfähiger werden.» Trotz den positiven Rückmeldungen hat die Kampagne keine Auswirkungen auf die Verbands- oder Vereinspolitik. «Wir haben die Kampagne im Vorstand zur Kenntnis genommen», sagt Paul Merz vom Thurgauer Fussballverband. Ähnlich klingt es beim HC Thurgau. «Wir verfolgen das Thema weiter», sagt Patrick Bloch.

Auch Peter Bär vom kantonalen Sportamt Thurgau sieht keinen Handlungsbedarf. Viel sinnvoller sei es, die Trainer gut auszubilden, damit diese richtig agieren und die Spieler informieren können. «Im Turnen gibt es keine ausgeprägte Homophobie», sagt Andreas Brühwiler vom Thurgauer Turnverband. Dies sei einerseits den Disziplinen zu verdanken, die nicht als besonders männlich gelten würden, zum anderen den vielen weiblichen Mitgliedern, die gegenüber dem Thema Homosexualität eher aufgeschlossen sind. «Der Handlungsbedarf liegt eindeutig in der Gesellschaft», sagt Brühwiler. Und diese ist laut Lienheer von HOT aufgeschlossener als früher. «Heute setzt man sich mit der Thematik auseinander.»

«Dagegen demonstrieren wir»

Aber es gebe auch Missstände. «Noch immer dürfen Homosexuelle kein Blut spenden», sagt Lienheer. Es sei gut, dass Homosexuelle mittlerweile Partnerschaften eintragen können. Doch nun müsse dafür gekämpft werden, dass Ehen künftig nicht nur zwischen Mann und Frau erlaubt seien. Gemeint hat er damit die Volksinitiative «Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe». «Dagegen demonstrieren wir am 17. Mai auf dem Bundesplatz in Bern», sagt Lienheer.


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