Längere Kontrollen ärgern Bauern

FRAUENFELD. Bisher separate amtliche Stallkontrollen sind jetzt in einem Termin zusammengefasst. Die neue Grundkontrolle dauert dafür länger. Der Verband Thurgauer Landwirtschaft fordert vom Kanton, die Zeitdauer zu minimieren.
20. Februar 2015, 07:00
CHRISTOF WIDMER

Sie kommen unangemeldet und kontrollieren bis ins kleinste Detail, ob Kühe oder Schweine richtig gehalten werden oder ob die Melkanlage die hygienischen Vorschriften einhält. Die amtlichen Kontrolleure nahmen bisher die Tierschutz- und die Milchhygienekontrollen getrennt vor. Beides ist seit diesem Jahr zu einer Grundkontrolle zusammengeschlossen. Damit reagiert der Bund auf die Forderung aus der Landwirtschaft, die Kontrollen zu koordinieren, damit die Betriebe weniger Kontrollbesuche haben.

Im Thurgau haben die neuen Grundkontrollen inzwischen begonnen. In einem Schreiben hat Kantonstierarzt Paul Witzig die Tierhalter vorgängig auf das neue Verfahren aufmerksam gemacht. «Das habe ich als fair empfunden», sagt Markus Hausammann, Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft. Das Schreiben sei dummerweise kurz vor den Skiferien verschickt worden, und die ersten Kontrollen hätten gleich nach den Ferien begonnen. Einzelne Landwirte seien deshalb überrumpelt worden.

«Nichts zu verstecken»

Der Verband Thurgauer Landwirtschaft hat nichts gegen die Kontrollen als solche einzuwenden. «Sie sind eine Begleiterscheinung der Direktzahlungen», sagt Hausammann. Sprich: Wer Geld vom Bund will, muss auch seine Regeln einhalten. «Wir haben ja nichts zu verstecken», sagt Hausammann.

Allerdings hätten die Kontrollen stark zugenommen, bemängelt Hausammann. Früher sei nur auf Verdacht oder auf einen Hinweis hin kontrolliert worden. Jetzt fänden regelmässige und umfassende Kontrollen statt. Diese seien für die betroffenen Landwirte mit Aufwand verbunden – vor allem wenn die Kontrolleure ohne Voranmeldung auf dem Hof erscheinen und der Bauer spontan längere Zeit für Auskünfte bereitzustehen hat. Er wisse von einer Grundkontrolle, die drei Stunden gedauert habe, sagt Hausammann. «Das ist eindeutig zu lang.»

Auch die Art, wie einzelne Kontrolleure vorgehen, stösst den Landwirten sauer auf. Es gebe Kontrolleure, die die Umgangsformen unter Landwirten nicht einhalten, sagt Hausammann. «Man wünscht sich zuerst Glück im Stall und fängt nicht gleich mit den Beanstandungen an.» Einzelne Kontrolleure seien wegen ihres Verhaltens ein rotes Tuch für die Bauern. Solche zwischenmenschlichen Probleme könnten Ursache für eine Eskalation sein. Hausammann kündigt an, dass er diese Probleme mit den betreffenden Amtsstellen besprechen will. Kantonstierarzt Witzig zeigt sich offen. «Ich begrüsse derartige Kontakte zum gegenseitigen Verständnis sehr.» Dass die Kontrollen länger dauern, wenn der Kontrolleur dafür weniger oft vorbeischaut, sei nicht überraschend. «Die Kontrollinhalte haben sich nicht wesentlich geändert», sagt Witzig.

Arbeit an Bürokratieabbau

Das Grundproblem ist für die Landwirte aber die zunehmende Bürokratie – und hier sind die Kontrollen nur ein Element. Dieses Problem müsse man auf Bundesebene angehen, sagt Hausammann. Dazu hat der Bund mit dem Schweizerischen Bauernverband eine Projektgruppe eingerichtet. Der Verband Thurgauer Landwirtschaft beteiligt sich an diesen Arbeiten.


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