Krisengipfel zum Frankenhoch

Die Spitzen der Thurgauer Wirtschaftsverbände trafen sich mit Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer. Die Wirtschaft fordert vom Kanton, ihr nicht noch Steine in den Weg zu legen.
28. März 2015, 02:46
CHRISTOF WIDMER

WEINFELDEN. Die Aufhebung des Euromindestkurses trifft die Thurgauer Wirtschaft hart. Diese Befürchtung bestätigte sich auch am runden Tisch, zu dem Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer am Donnerstag die Spitzen der drei grossen Thurgauer Wirtschaftsverbände eingeladen hatte. «Die Vertreter aller Verbände fühlen sich stark betroffen von der Frankenstärke», fasst Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer die gemeinsame Lagebeurteilung zusammen. «Sie sind sehr besorgt.» Am Treffen mit Schläpfer nahmen Delegationen des Thurgauer Gewerbeverbands, der Industrie- und Handelskammer Thurgau und des Verbands Thurgauer Landwirtschaft teil.

Überdurchschnittlich betroffen

Der Thurgau ist von der Krise dreifach betroffen: Durch seine Grenznähe, durch seinen überdurchschnittlichen Industrieanteil und durch den überdurchschnittlichen Anteil an exportorientierten Unternehmen. Neben der Exportindustrie leiden auch der Detailhandel und die Landwirtschaft unter der Frankenstärke. Letztere habe das Problem, dass ihre Produkte gegenüber den Lebensmitteln ennet der Grenze nochmals teurer wurden, sagt Schläpfer.

Die Wirtschaftsverbände und das Volkswirtschaftsdepartement seien sich einig, dass es trotzdem keine Konjunkturprogramme oder sonstigen Geldspritzen braucht, sagt Schläpfer. «Die Wirtschaft hat den Willen, die schwierige Situation selber zu meistern.» Die Wirtschaftsvertreter fordern vom Kanton aber, dass er ihnen nicht noch Steine in den Weg legt. Das heisst insbesondere: Keine Steuererhöhung und keine neuen Auflagen. «Die Wirtschaft will, dass der Staat sie nicht noch zusätzlich belastet», fasst Schläpfer zusammen.

Der Spielraum des Kantons sei allerdings klein, sagt Schläpfer. Schon heute bemühe sich der Regierungsrat, dass der Kanton Vorschriften des Bundes nicht noch verschärfe.

Die Forderung nach Abbau von Auflagen ziele vor allem auf den Bund, sagt Hansjörg Brunner, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbands. Der Schweizerische Gewerbeverband habe schon vor fünf Jahren ein Papier präsentiert, wie die Wirtschaft entlastet werden könnte, wenn der Bund Vorschriften abbauen würde. «Wenn auch nur ein Teil davon umgesetzt worden wäre, würden wir heute anders dastehen», sagt Brunner.

Einschneidender als früher

Brunner bestätigt, dass die Besorgnis in der Wirtschaft gross ist. «Das ist jetzt an jeder GV spürbar.» Das Gefühl herrsche vor, dass diese Krise einschneidendere Folgen haben werde als andere Krisen. Auch Brunner persönlich glaubt, dass Arbeitsplätze leiden werden. Noch sei die Zeit seit der Aufhebung des Euromindestkurses zu kurz, um konkrete Aussagen zu machen. Erste Auswirkungen dürften sich aber bis Herbst bemerkbar machen, glaubt Brunner.


Leserkommentare

Anzeige: