Grossaufmarsch der Gewerbler

Die Delegiertenversammlung des Thurgauer Gewerbeverbandes war so gut besucht wie nie. Der Grund dürfte im Frankenschock und in den Wahlen liegen, vielleicht auch am angekündigten Kabarettisten.
01. April 2015, 02:36
THOMAS WUNDERLIN

WEINFELDEN. Diskutiert wurde nicht. Umstrittene Traktanden gab es keine. Ein besonderer Grund für den Grossaufmarsch war auch für den Geschäftsführer des Thurgauer Gewerbeverbands, Marc Widler, nicht ersichtlich. 332 Delegierte und Gäste versammelten sich am Montag im Weinfelder Thurgauerhof. Verbandspräsident Hansjörg Brunner sprach von einem Rekordaufmarsch. Beim letzten Grossaufmarsch an einer Delegiertenversammlung 2002 wurden 160 Teilnehmer gezählt.

Exportorientierte KMU

Möglicherweise war es der starke Franken, der die Gewerbler bewegte. «Im Thurgau sind wir stärker betroffen als andere Kantone», sagte FDP-Regierungsrat Kaspar Schläpfer, der wie üblich als Gastredner auftrat. Die Thurgauer Detaillisten spüren laut Schläpfer die Nähe zu Konstanz. Auch seien viele KMU exportorientiert.

Ein weiterer Grund könnten die bevorstehenden eidgenössischen Wahlen sein. Verbandspräsident Brunner rief eindringlich dazu auf, die gewerbliche Vertretung in Bern zu stärken. Sie soll sich gegen «administrativen Blödsinn aus linken Kreisen» ebenso wehren wie gegen neue Bürokratie und den «Gebührenwahnsinn». Welche Kandidaten dafür am geeignetsten wären, liess Brunner offen.

Dazu hat die Präsidentenkonferenz des Gewerbeverbands bereits Stellung genommen: Sie empfiehlt Brunner, der für die FDP kandidiert, und seine Vorstandskollegin Diana Gutjahr, die auf der SVP-Liste figuriert. Auch Regierungsrat und Nationalratskandidat Schläpfer darf mit Stimmen aus Gewerbekreisen rechnen, ebenso weitere anwesende Kandidaten und Bisherige. Dass es der Gewerbeverband mit dem Wahlkampf ernst meint, zeigte sich am Budget 2015, das die Delegierten ohne Gegenstimme genehmigten. Darin sind Ausgaben von 167 000 Franken für Wahlen vorgesehen. Brunner wurde nach zwei Jahren Amtszeit einstimmig wieder zum Verbandspräsidenten gewählt. Laut Schläpfer spürt man, dass sich Brunner mit Freude für sein Amt engagiere.

Zweimal Nein am 14. Juni

Der Wiedergewählte rief dazu auf, Frauen stärker in die Führungsetagen der Betriebe zu befördern. Dafür brauche es keine Quoten. Ausserdem empfahl er, die beiden eidgenössischen Vorlagen abzulehnen, über die am 14. Juni abgestimmt wird: Erbschaftssteuer und Billag-Gebühren. «Wir müssen leider wieder zum Neinsager werden.»

Möglicherweise löste auch der angekündigte Auftritt von Fabian Unteregger den Rekordaufmarsch aus. Der vom Fernsehen bekannte Imitator bekannter Politiker tat sich allerdings schwer damit, den Kontakt zum Publikum zu finden.


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