Ein Drittel will weiterarbeiten

16. Juni 2016, 02:40

WEINFELDEN. Ältere Berufsleute mit den notwendigen Qualifikationen sollen im Arbeitsprozess verbleiben, wenn sie es wollen. So formulierte Georg Weidmann das Ziel der von ihm geleiteten Projektgruppe Top60 der FDP. An einer Podiumsdiskussion im Weinfelder «Trauben» am Dienstagvormittag kamen Voten wie: «Nicht schlecht, aber verändern wird sich trotzdem nichts» oder «ältere Leute können oft beim Leistungsdruck und der Technologie nicht mehr mithalten».

Dabei gibt es unterschiedliche Umgangsweisen punkto Pensionierung, so ein Beispiel von Gewerbeverbandspräsident Hansjörg Brunner, Inhaber einer Druckerei mit 25 Mitarbeitern, der von einem wertvollen Mitarbeiter mit reduzierten Pensum bis zum 68. Altersjahr sprach. Brunner legte den Finger auf die oft fehlende Eigenverantwortung und Weiterbildung.

Gemäss Linus Lüthold, Chef des kantonalen Personalamts, sind laut einer Umfrage ein Drittel der Arbeitnehmer bereit, über das 65. Altersjahr hinaus zu arbeiten, wenn es sinnvolle Arbeit mit flexibler Arbeitszeit gebe. Ganz anders sieht dies der Vizepräsident des Gewerkschaftsbunds Thurgau, Erich Kramer: «In der Baubranche gehen die Leute mit 60 in Pension, die sind verbraucht.»

Enorm wertvoll für seinen Betrieb – Maschinenbau und Schweisstechnologie – seien Berufsleute, die motiviert übers Pensionsalter hinaus arbeiten können, so sieht es IHK-Präsident Christian Neuweiler: «Sie springen ein bei Krankheitsausfall oder Ferien.» Er verwies auf die Veränderung in der Gesellschaft und problembehaftete soziale Lebenslagen: «Bis vor zehn Jahren ging es immer bergauf. Das ist vorbei.» Realität sei, dass es auch mal abwärts gehe, betonte Weidmann: «Auch mit dem Lohn.»

Die Schaffung eines Pensionierten-Springerpools und Jokertage wurden angeregt. Und immer wieder wurde Weiterbildung – lebenslanges Lernen – thematisiert, um die altersgerechte Reorganisation von Arbeitsprozessen und die Arbeitsmarktfähigkeit zu sichern.

Peter Maag, Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, wies auf die sozialen Kosten hin. Lohnsteigerung ab dem 50. Altersjahr könne man vergessen. Mit 65 in Pension gehen, davon sollte man wegkommen. Arbeitgeber sollten sicherstellen, dass jeder, der wolle, bis zum 70. Altersjahr arbeiten könne. (kü)


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