Die preisgekrönten Wurstfrauen von Tobel

Geschickte Bewohnerinnen des Alterszentrums Sunnewies im Hinterthurgauer Tobel haben mit ihren selbstgestrickten Wollwürsten den Wettbewerb von Madame Tricot gewonnen. Dieser fand in Lichtensteig im Toggenburger Museum statt.
11. Juli 2014, 02:36
DANIELA EBINGER

TOBEL. Ganz konzentriert stricken einige Frauen in der Werkgruppe im Alterszentrum Sunnewies vor sich hin. Nur das Geklapper der Stricknadeln ist zu hören. In Windeseile entstehen Würste – aus Wolle. Schwarze, braune und weisse, kleine und grosse. Die einen tragen schon eine Originaletikette, etwa die Glarner Chämiwurst.

«Die Chämiwurst ist für mich heute noch eine Festwurst», sagt Ursula Riedener. Sie lismet eben an einem Cervelat: «Das ist für mich eine Alltagswurst und die ist ein bisschen billiger», sagt die 89-Jährige. Stricken sei eine schöne Freizeitbeschäftigung, die sie gerne in der Gemeinschaft und auch alleine ausübe.

Spass und Freude am Lisme

Unter der Leitung von Denise Schmid und Beata Niederer stricken Frauen des Alterszentrums Sunnewies fleissig verschiedene Wurstarten und nahmen damit am Wettbewerb um die schönste Wurst im Toggenburger Museum in Lichtensteig teil. Vor kurzem fand die Prämierung statt. Dass sie mit ihren Kunstwerken gleich den ersten Platz holen würden, dachte keine der Hobby-Lismerinnen aus Tobel. Sie beteiligten sich rein aus Spass und Freude am Strickwettbewerb.

In jeder Wurst strickten die Frauen frühere Geschichten und Erinnerungen ein. So mag sich die 93jährige Elsi Fröhlich mit ihrem Bauernschüblig gut an die Zvieri- und Znünizeiten erinnern. «Auch wir Frauen und Mädchen erhielten Wursträdli – nur waren die viel dünner geschnitten als die für Männer.» Vor ihr liegt ein Vierer-Set gestrickter Bauernschüblige. Ohne Geschmack, aber bewundernswert echt aussehend. Sie liebt die Wurst auch heute noch. «Zu Hause wurde früher selbst gemetzget und gewurstet», sagt sie. Dabei erzählte ihr der Metzger, dass er bei einem Bauern sogar unterschiedliche Grössen herstellte. Die Kleinen erhielten die Knechte und die Grossen waren für den Bauern selbst. Die Zeit mit dem gemeinsamen Zvieri und das Räuchern mit dem guten Geschmack im Dachstock bleibt ihr in Erinnerung.

Gestrickte Erinnerungen

Der Wettbewerb ist erfolgreich abgeschlossen. Aber das Wurstfieber scheint im Hause Sunnewies anzuhalten. Fleissig stricken die Frauen weiter Würste. Diese sollen auch das eigene Haus zieren. Cecile Schwarz strickt an diesem Nachmittag bereits die zweite Siedwurst. Am Wettbewerb nahm sie mit einer Waadtländer Saucisson teil. «Zu Hause gingen die jeweils vom Tisch wie warme Weggli», sagt die Fribourgerin.

Die Leiterin Denise Schmid beschreibt die Aktivierungsgruppe als eine ungezwungene Werkgruppe, die gerne gemeinsam kreativ ist. Sie erlebt die Frauen offen, und sie seien gerne bereit, Neues auszuprobieren. So entschieden sie sich spontan, am «Lismi-Wettbewerb» teilzunehmen. Dieser lancierte die Museumskuratorin Christelle Wick zusammen mit der Künstlerin Madame Tricot alias Dominique Kähler Schweizer aus Wil. Die beiden Frauen wollen damit dem Museum neues Leben einhauchen.

Mit Stolz nahm die Gruppe den Preis aus einem Korb entgegen: Wolle, Sekt und den Gutschein, einen Nachmittag unter der Leitung von Madame Tricot kreativ zu wirken. Auf den kreativen Nachmittag freuen sie sich schon jetzt und sind gespannt, was sie Neues erwartet.


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