Die Denkfabrik sucht das Volk

Er ist der neue Präsident von Think Tank Thurgau: Matthias Mölleney erklärt, warum sich die Thurgauer Ideenschmiede künftig vermehrt mit der Bevölkerung austauschen möchte.
28. März 2015, 09:09
IDA SANDL

Matthias Mölleney, Sie sind im Hochschulrat der PH, Verwaltungsratspräsident der Bodenseearena und jetzt Präsident des Think Tanks. Wann zügeln Sie in den Thurgau?

Matthias Mölleney: Wir haben uns das tatsächlich schon überlegt. Dann haben wir eine sehr schöne Wohnung in Uster gefunden. Das heisst aber nicht, dass meine Frau und ich jetzt bis an unser Lebensende dort bleiben. Ich lass das offen.

Was gefällt Ihnen am Thurgau, was könnte Sie locken?

Mölleney: Der Thurgau ist ein schöner, bodenständiger Kanton. Die Thurgauer sind alles andere als Schmarotzer. Hier ist man innovativ, offen und man redet direkt miteinander. Da erreicht man einen Regierungsrat noch direkt, nicht nur über die Sekretärin. Wo gibt es das sonst noch?

War Ihnen Think Tank Thurgau ein Begriff, bevor Sie fürs Präsidium angefragt wurden?

Mölleney: Mit dem Think Tank Thurgau habe ich vor allem den vorherigen Präsidenten Toni Schönenberger verbunden. Als die Anfrage kam, ob ich das Präsidium übernehmen wolle, habe ich recherchiert, was die so machen.

Und, was machen die so?

Mölleney: Ich habe viele spannende Projekte gefunden, tolle Ideen. Ich hatte den Eindruck, daraus kann viel entstehen,

Die Projekte in der Vergangenheit waren zwar spannend, manchmal provokativ, aber irgendwie ging es dann nicht weiter.

Mölleney: Dessen sind wir uns im Stiftungsrat bewusst. Das wollen wir auch ändern. In Zukunft möchten wir noch mehr Gewicht auf den Transfer der Ideen legen. Der Stiftungszweck bleibt natürlich bestehen, aber wir wollen den Think Tank so gestalten, dass er den Bezugsgruppen möglichst viel nützt.

Wer sind die Bezugsgruppen, die profitieren sollen?

Mölleney: Unsere Zielgruppe sind die Thurgauer. Aber auch die Wirtschaft in der Region, die KMU, sind wichtige Adressaten. Mit ihnen allen möchten wir noch stärker in Dialog treten und von ihnen wissen, wie sie von einem Think Tank Thurgau profitieren könnten. Wir wollen nicht nur alle fünf Jahre die Wünsche abfragen, sondern einen permanenten Dialog.

Wie soll dieser Dialog aussehen?

Mölleney: Wir sind etwa im Stiftungsrat momentan dabei, multimediale Tools zu finden und zu entwickeln, mittels derer wir die Bevölkerung einbinden können. Man könnte sagen, wir sammeln gerade Ideen, wie wir in Zukunft Ideen sammeln können.

Heisst das in Zukunft mehr Bodenständiges und weniger Utopie?

Mölleney: Nein, auf keinen Fall. Unser Ziel ist nicht, den Bequemlichkeitspreis zu gewinnen. Wir wollen auch nicht die Innovationsflughöhe senken, sondern die Resultate unserer Projekte herunterbrechen auf die Praxis. Eine Plattform schaffen für Wissenstransfer, zum Beispiel zwischen Firmen.

Das soll vor allem den kleinen und mittleren Unternehmen dienen?

Mölleney: Der Thurgau ist ein Kanton mit vielen KMU. Aber unsere Arbeit soll allen Thurgauern dienen. Der Stiftungsrat hat sich verjüngt, alle Altersgruppen und Sparten sollen vertreten sein. Wie wollen die Gesellschaft abbilden. Die Thurgauer sollen nicht denken: Ach, die da oben.

Aber neben dem Jugendwettbewerb wird es weiterhin alle zwei Jahre ein grosses Projekt geben?

Mölleney: Das wollen wir auf jeden Fall beibehalten. Wir wollen weiter die Zukunft denken. Aber noch mehr darauf achten, was kommende Entwicklungen für den Thurgau bedeuten können.

Gibt es schon Ideen für das nächste grosse Projekt?

Mölleney: Wir sind sehr intensiv dabei, Ideen zu sammeln. Wenn es gut läuft, werden wir im Laufe des Sommers ein neues Projekt starten können.

Können Sie schon sagen, in welche Richtung das gehen wird?

Mölleney: Dafür ist es noch zu früh. Aber es gibt viele gute Ideen.

Wie ist der Think Tank finanziell aufgestellt? Ist das Überleben gesichert?

Mölleney: Wir bekommen etwas Geld vom Kulturamt und wir haben das Stiftungskapital, das ist unser Grundstock. Damit ist die 20-Prozent-Geschäftsstelle zu einem grossen Teil gesichert. Die grossen Projekte, wie zum Beispiel den Jugendwettbewerb, müssen wir über Sponsoren finanzieren.

Das funktioniert?

Mölleney: Es hat bisher geklappt. Wir müssen den Sponsoren im Gegenzug aber Qualität bieten. Wir brauchen ein gutes Image. Unsere Geldgeber müssen wissen, der Think Tank macht super Arbeit.

Bekommt der Präsident auch Geld?

Mölleney: Nein, Präsident ist ein Ehrenamt.

Was wünschen Sie sich als neuer Präsident für die Zukunft?

Mölleney: Das Schönste wären einfach saugute Ideen. Dann macht die Arbeit auch Spass. Die Thurgauer sollen denken, das ist unser Think Tank, der macht etwas, was uns nützt.


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