Das Geld soll im Thurgau bleiben

Dem Thurgauer Gewerbeverband behagt nicht, dass Deutsche das Outlet in Wigoltingen verhindern wollen. Er sieht im Projekt eine Chance, den Einkaufstourismus zu bremsen. Die Investoren gehen sogar davon aus, dass dann Konstanzer im Thurgau einkaufen werden.
26. Januar 2016, 02:35
INGE STAUB

WIGOLTINGEN. «Die Deutschen jammern auf hohem Niveau», moniert Hansjörg Brunner. Dem Präsidenten des Thurgauer Gewerbeverbandes stösst sauer auf, dass der Regionalverband Hochrhein-Bodensee Einsprache gegen den Gestaltungsplan des Fashion Outlet Edelreich in Wigoltingen eingereicht hat (Ausgabe vom 8. Januar).

Brunner hält die Einsprache der Deutschen für unnötig und anmassend vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Jahren viel Kaufkraft aus dem Thurgau nach Konstanz, Radolfzell und Singen abgeflossen ist. Zum Beispiel ins Lago. Das Konstanzer Shopping-Center gehört mit 27 000 Kunden an einem durchschnittlichen Tag zu den profitabelsten Einkaufszentren in Deutschland.

Thurgau soll attraktiv sein

Der Thurgauer Gewerbeverband begrüsst deshalb das Bauvorhaben in Wigoltingen. «Wichtig ist, dass das Geld der Konsumenten in der Schweiz bleibt», sagt Hansjörg Brunner. Er möchte, dass der Thurgau für Konsumenten attraktiv ist. «Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Outlet oder eine andere Idee realisiert wird.» Er sei froh, dass das Edelreich im Thurgau und nicht in Deutschland gebaut werden soll. «Wir müssen alles daran setzen, dass unsere Region über vielfältige Angebote verfügt.»

Zwar sieht der Verband im Outlet eine Chance auf Belebung des Einkaufsplatzes Thurgau, doch innerhalb des Gewerbes sind die Meinungen geteilt. Elisabeth Steiner, Vizepräsidentin von TG Shop, dem kantonalen Dachverband der Thurgauer Detailfachhandelsgeschäfte, bezweifelt, dass das Outlet den Einkaufstourismus bremsen wird. «Die Leute, die dort einkaufen werden, sind mit dem Auto unterwegs. Sie werden auch weiterhin nach Konstanz fahren.» Die Inhaberin eines Fachgeschäftes für Haushaltsartikel in Frauenfeld glaubt nicht, dass die Konsumenten, die auf der Autobahn Richtung Wigoltingen fahren, einen Zwischenstop in Frauenfeld einlegen werden. Sie befürchtet, dass die Situation für die Detaillisten in der Region noch schwieriger werden wird. «Es ist dann ein Player mehr vorhanden.»

Aufträge für Handwerker

Doch andere Gewerbetreibende könnten profitieren. «Ich hoffe, dass am Bau kantonale Betriebe beteiligt werden», sagt Hansjörg Brunner. Die Präsidentin des Gewerbevereins Weinfelden, Fabiola Colombo Imhof, appelliert an die Bauherren, die Geschwister Klopfenstein, Thurgauer Handwerker zu berücksichtigen. «In Müllheim gibt es Widerstand gegen das Outlet. Es ist wichtig, dass die Investoren signalisieren, dass sie regionale Firmen unterstützen.»

Der Regionalverband Hochrhein-Bodensee bringt zwei Hauptargumente gegen den Gestaltungsplan vor. Zum einen befürchtet er, dass mit dem Fashion Outlet die Läden in Konstanz weniger Umsatz machen und einige deshalb schliessen müssen. Zum anderen hat er raumplanerische Bedenken.

Richtplan: Nur in Zentren

Verbandsdirektor Karl Heinz Hoffmann verweist auf den kantonalen Richtplan, der besagt, dass grosse, verkehrsintensive Geschäfte nur in Zentren angesiedelt werden können. «Da Wigoltingen kein Zentrum ist, steht die Planung im Widerspruch zum Richtplan.» Doch sieht dieser vor, dass in zentralen Orten in Entwicklungsräumen, wozu Wigoltingen zählt, Ausnahmen möglich sind. «Für uns ist es jedoch nicht nachvollziehbar, weshalb in Wigoltingen diese Ausnahme greift», hebt Karl Heinz Hoffmann hervor.

Der Regionalverband begründet sein Mitwirkungsrecht mit der Mitgliedschaft im Verein Agglomeration Kreuzlingen-Konstanz. Das Veto aus Waldshut wurde in diesem Verein nicht besprochen, wie sein Präsident Markus Thalmann sagt. Der Gemeindeammann von Tägerwilen betont: «Das Outlet ist grundsätzlich nicht Sache unseres Vereins. Wir haben andere Aufgaben.» Der Verein «Agglomeration Kreuzlingen-Konstanz» erarbeitet zurzeit das dritte Agglomerationsprogramm. Die Deutschen beteiligen sich an Projekten wie der Studie zur S-Bahn.

Investor Jürg Klopfenstein glaubt, dass die deutschen Städte Angst haben, dass mit dem Outlet nicht nur Schweizer weniger oft über die Grenze fahren werden, sondern auch Konstanzer und Singener im Thurgau einkaufen könnten.


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