Bratwürste und Salat für die Delphinschützer

Etwa 50 Delphinschützer demonstrierten gestern vor dem Connyland in Lipperswil gegen die Delphinhaltung. Gefordert wurde die mittelfristige Schliessung des Delphinariums im Freizeitpark. Die Connyland-Betreiber nahmen es mit Humor und verpflegten die Demonstranten.
08. August 2011, 01:05
mathias frei

lipperswil. Ein Sonntagvormittag, der angesichts des Regens dazu verführt, weiterzuschlafen. Aber der Parkplatz vor dem Connyland ist bei Parköffnung um 10 Uhr schon erstaunlich voll. Und an der Zufahrt stehen drei Zeltpavillons, unter die sich drei Dutzend Demonstranten gestellt haben. Sie prangen die Lebensumstände der Delphine im Connyland an und fordern die mittelfristige Schliessung des Delphinariums. Die erste Kundgebung in dieser Sache seit 15 Jahren.

Imbiss stösst nicht auf Anklang

Verkehrskadetten halten die ankommenden Fahrzeuge an. Es wird streng separiert. Besucher dürfen vor dem Connyland parkieren. Demonstranten müssen ihre Autos auf einem Feldweg ennet der Hauptstrasse abstellen. Auch die Kantonspolizei ist vor Ort präsent. Mindestens fünf Beamte beobachten das Geschehen. Ernst Vogelsanger, Kapo-Pressesprecher erklärt, man begleite diese Veranstaltung. Die Blicke einiger Connyland-Mitarbeiter, die gebührenden Abstand halten zur Demo, sind skeptisch. Dabei zeigt sich der Freizeitpark den Tierschützern gegenüber gastfreundlich. An den Pavillons hängen Blachen: «Regen- und Sonnenschutz für die Demonstranten, sponsored by Connyland.» Und dann wird auch noch grilliert: «Gratis für die Demonstranten – Schweizer Bratwürste mit deutschem Gurkensalat.» Der Imbiss wird ebenfalls vom Connyland zur Verfügung gestellt, stösst aber bei den Demonstranten auf wenig Anklang.

Viele Delphinfreunde sind aus dem ganzen Schweizer Mittelland und dem süddeutschen Raum angereist. Mittlerweile haben sich wohl etwa 50 Personen eingefunden, als plötzlich eine Frau, rotweiss eingekleidet, mit einem Transparent auftaucht. «Ich finde diese Demo eine Anmassung» ist da zu lesen. Sofort stürzen sich zwei TV-Kamerateams auf die Gegendemonstration. Sie heisst Edith Weber und kommt aus Wigoltingen. Sie störe sich vor allem daran, dass deutsche Tierschützer in der Schweiz demonstrierten. Damit werde die Integrität des Schweizer Tierschutzes in Frage gestellt. Abseits der Demo hilft ihr später ein Mann, das Transparent wieder zu richten und steckt ihr einen Connyland-Eintritt zu.

Tierschutz kennt keine Grenzen

Demo-Organisator und ProWal-Geschäftsführer Andreas Morlok aus Radolfzell bestätigt, dass das Gesuch für die bewilligte Kundgebung von seiner, einer deutschen Organisation, eingereicht wurde. Tierschutz jedoch kenne keine Grenzen. Dann spricht er von einem Tourismus-Boykott für den Thurgau und einer notwendigen Tierschutz-Gesetzesrevision. Erich Brandenberger vom Connyland sagt, man sei nicht nur um das Wohlergehen der Delphine, sondern auch der Tierschützer besorgt. Die Demo sei auf dem zugewiesenen Gelände bewilligt, und solange die Demonstranten hinter der Abschrankung blieben, sei auch die Verkehrssicherheit gewährleistet.


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