Bauern gegen neue Strassen

SULGEN. Der Verband Thurgauer Landwirtschaft hat gestern überraschend klar die Nein-Parole zu BTS und OLS beschlossen. Für eine Mehrheit der Mitglieder ist der Erhalt von Kulturland wichtiger als Verbesserungen in der Verkehrsinfrastruktur.
09. Mai 2012, 10:01
CHRISTOF WIDMER

Die Gegner der Bodensee-Thurtalstrasse und der Oberlandstrasse erzielten gestern einen bedeutenden Erfolg: Mit dem Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL) hat sich einer der drei Wirtschaftsverbände gegen die BTS und OLS ausgesprochen. Die Mitglieder beschlossen gestern abend spät mit 133 Nein zu 57 Ja die Nein-Parole. Auf die traktandierte Abstimmung auf Stimmfreigabe wurde nach diesem klaren Ergebnis verzichtet.

Die Gegner hatten von Anfang an den stärkeren Support im vollbesetzten Sulgener Auholzsaal, wie der Applaus zeigte. Für sie ging es darum, ein Zeichen zu setzen gegen die Bautätigkeit und das Siedlungswachstum. «Wir müssen doch für unser Land einstehen», hiess es, oder: «Es kann mit dem Verkehr doch nicht so weitergehen.» Aufgabe des Verbands müsse sein, den Verlust von Kulturland zu bekämpfen, lautete der Tenor. Es sei Grundlage der bäuerlichen Produktion. Die neuen Strassen führten dazu, es den Einkaufstouristen einfacher zu machen, warnte ein Delegierter.

SVP-Kantonsräte unterlagen

Die Befürworter forderten eine ganzheitliche Sicht und verwiesen auf die Verkehrsprobleme auf den bestehenden Strassen. «Sind wir nichts wert?», fragte ein Bauer aus einem Dorf, das unter starkem Verkehr leidet. Mehrere Befürworter, darunter eine Reihe von SVP-Kantonsräten, sprachen sich für eine Gesamtabwägung aus. Für die bessere Erschliessung des Oberthurgaus müsse man die Kröte Landverlust schlucken.

Kampf um Delegierte

Vorher hatten Baudirektor Jakob Stark und Pro-Natura-Präsident Toni Kappeler um die Gunst der Delegierten gekämpft. Stark räumte ein, dass die Bauern am stärksten von den neuen Strassen betroffen sind. Anders als die T14 seien BTS und OLS siedlungsnäher. Das verhindere die Zerschneidung der Landschaft. BTS und OLS kanalisierten Verkehr und Siedlungsentwicklung.

Kappeler, der für einmal die Mehrheit der Bauern hinter sich hatte, fragte, warum man gleich neben der bestehenden Kantonsstrasse eine neue Schnellstrasse bauen soll. Besser sei der Ausbau der bestehenden Strasse. OLS und BTS bedeuteten eine Zerschneidung der Landschaft. Neue Strassen seien eine Initialzündung für weitere Zersiedlung und Kulturlandverschliess. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimme nicht.


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