BTS-Gegner warnen vor Debakel

Die Bodensee-Thurtal-Strasse sei für den Thurgau zu teuer, vor allem, da sich die finanziellen Perspektiven für den Kantonshaushalt verdüstern. Davon sind die Gegner der BTS überzeugt.
25. März 2011, 01:09
martin knoepfel

weinfelden. Der Thurgau könne sich die Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) gar nicht leisten. Das zog sich wie ein roter Faden durch die Medienkonferenz der BTS-Gegner im «Frohsinn» in Weinfelden. Sie antworteten am Mittwoch auf die «Informationswalze» des Kantons. Der Kanton gebe keine klaren Antworten auf Fragen zu den Kosten, obwohl die Gegner der BTS das Thema im November aufgeworfen hätten. An den Informationen in den Gemeinden sei nur vage von Mehreinnahmen die Rede.

Seit 2005 sei wenig zum Schutz der Bevölkerung vor Immissionen getan worden, ausgenommen der Bau von Lärmschutzwänden, sagte Kantonsrätin Silvia Schwyter (Grüne, Sommeri). Sie hat fast den Eindruck, dass der Kanton die Betroffenen im Regen stehen lässt, um den Leidensdruck zu steigern.

1,5 Milliarden für BTS?

«Geld spielt beim Baudepartement keine Rolle», so SP-Kantonsrat Peter Gubser (Arbon). Der Kanton mache Konzessionen, wenn es an Informationsveranstaltungen Opposition gegen die BTS gebe, sagten Gubser und Schwyter. Die «Zückerchen» (Gubser) seien längere und teurere Bauwerke. Gemäss Gubser drohen Mehrausgaben von über 50 Mio. Franken im Jahr, etwa im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Zugleich klaffe auf der Einnahmenseite ein Loch. Kantonsrat Toni Kappeler (Grüne, Münchwilen) bezifferte dieses auf 150 Millionen für 2014. Die Verkehrsabgaben und der Kantonsanteil an der LSVA reichten nicht, um die BTS zu zahlen. Davon sind Kappeler wie Gubser überzeugt. Schwyter glaubt, dass die BTS mit allen Sonderwünschen über 1,5 Milliarden kostet wird.

Abschreckendes Konstanz

Alle Gemeinden wollten die BTS, aber keine bei sich, resümierte Kappeler die Informationsanlässe. Auf weiten Teilen weiche die Linienführung der BTS wegen der Wünsche der Gemeinden vom bekannten Trassee ab. Die Alternativvariante der Umweltverbände erhält gemäss Kappeler dem Kanton den finanziellen Spielraum. Allerdings räumte Kappeler auch ein, dass diese nicht billiger als die Kantonsvariante der BTS sein würde, wenn man sie auf der ganzen Länge realisierte.

Wolfgang Schreier, Präsident des VCS Thurgau, lobte die Verkehrspolitik des früheren Zürcher EVP-Stadtrats Ruedi Aeschbacher. Nun habe Zürich wenig Staus in den Stosszeiten und Parkplätze in der Nähe. Abschreckendes Beispiel sei Konstanz, das in der Spirale von mehr Strassen und mehr Verkehr gefangen sei.


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