Der grosse Umzug

BUSSWIL ⋅ Hanspeter Greb hat als Tierpräparator etwa 2000 tote Tiere ausgestopft. Nun hat er sein Geschäft verkauft und geht in den Ruhestand. Sein Lebenswerk bleibt im Aargau bestehen.
12. Oktober 2017, 07:02
Roman Scherrer

Roman Scherrer

roman.scherrer@thurgauerzeitung.ch

Von Mäusen, Wölfen und Hirschen bis zu Bisons, Löwen und Eisbären: Der 73-jährige Hanspeter Greb hat sich im Erdgeschoss seiner Liegenschaft in Busswil ein eigenes Tierreich geschaffen. Während 52 Jahren als selbstständiger Tierpräparator hat er rund 2000 Tiere ausgestopft. «Wie viele es genau sind, weiss ich selbst nicht», sagt er. Jedenfalls hat er unzählige Arbeitsstunden in sie investiert. Für einen Eisbären brauchte er etwa zwei Monate, für einen kleinen Singvogel drei Stunden.

Die meisten der Tiere, die Greb ausgestopft hat, kamen aus Schweizer Zoos. Zwei Eisbären habe er aus Kanada importieren können. Andere Tiere hatte er von Bauern oder Jägern erhalten. Er selbst ging aus Prinzip nie jagen. «Ich finde es nicht gut, wenn ein Tierpräparator mit dem Gewehr hantiert.»

Die ausgestopften Tiere hat Greb jeweils vermietet. Seine Kunden kamen hauptsächlich aus dem Theater sowie der Film- und Werbebranche. «Das Geschäft ist gut gelaufen. Während all den Jahren habe ich nie rote Zahlen geschrieben», sagt er.

Lange einen Nachfolger gesucht

Seit 1972 betrieb er seine Firma, die Greb Dekor GmbH, in Busswil. Nun geht Greb in den Ruhestand. «Man muss auch mal das Leben geniessen», sagt er. Lange hat er einen Nachfolger gesucht, der die Tiere übernimmt und etwas von der Materie versteht. Vor kurzem hat er ihn in Walter Benz gefunden. Der Aargauer ist ebenfalls gelernter Tierpräparator und betreibt in Wettingen AG die Firma Animal Decor. Durch den ­Beruf kennt Greb ihn schon seit vielen Jahren. Ihm konnte der Busswiler bereits zwei Aufträge weiterleiten. «Ich bin jetzt sozusagen Walters freier Mitarbeiter», sagt Greb. Zum Verkaufspreis macht er keine Angaben.

Es habe viele Interessenten für seine Sammlung gegeben. Den damit verbundenen Aufwand hätten aber die meisten unterschätzt. Sie dachten, ein solches Geschäft könne an zwei Tagen in der Woche geführt werden. «Andere wollten mit den Präparaten das schnelle Geld machen. Das ist aber nicht möglich», sagt Greb.

Ein Grossteil der Tiere ist bereits weg

Immer am ersten Sonntag des Monats hatte Hanspeter Greb die Türen seines Ausstellungsraumes geöffnet, damit Besucher die ausgestopften Tiere besichtigen konnten. Diese Tage seien immer sehr beliebt gewesen. Auch noch am vergangenen Sonntag stand eine Frau mit ihren Kindern bei ihm vor der Türe. «Sie hat gesagt, dass sie gerne die Tiere anschauen würden, da die Kinder jetzt Ferien hätten.» Diesen Wunsch konnte Greb allerdings nicht erfüllen. Nicht etwa, weil es bereits der zweite Sonntag im Monat gewesen war, sondern weil Walter Benz bereits am vergangenen Wochenende den grössten Teil der ausgestopften Tiere nach Wettingen gebracht hat. Ende dieser Woche sollten die letzten Präparate von Busswil wegtransportiert werden. «Dann geht für mich die Arbeit erst richtig los», sagt Greb. Er wird den Ausstellungsraum aufräumen und putzen. Anschliessend will er ihn als Gewerbe- oder Lagerfläche vermieten.

Hanspeter Greb ist zufrieden, dass er sein Lebenswerk verkaufen konnte. «Ich trauere der Sammlung jetzt nicht nach, und ich glaube auch nicht, dass ich es irgendwann später tun werde.»


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