Ethikpreis für Recyclingfirma

ESCHLIKON. Die Waadtländer Hochschule für Technik und Wirtschaft zeichnet die Eschliker Innorecycling AG mit dem Schweizer Ethikpreis aus. Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg stehen nicht im Widerspruch, lautet die Begründung.
26. November 2015, 07:34
HANS SUTER

«Ich habe es gespürt», freut sich Margit Rauber. Die Leiterin Abfallwirtschaft der Eschliker Innorecycling AG, sieht die Verleihung des Schweizer Ethikpreises als Anerkennung für das Bestreben ihrer Arbeitgeberin, Kunststoffe nicht mehr länger zu verbrennen, sondern der gezielten Wiederverwertung zuzuführen. Dadurch lassen sich grosse Mengen an Energie und beim CO2-Ausstoss einsparen.

Braunkohle einsparen

«Eine Tonne nichtrezyklierbare Kunststoffabfälle ersetzt in einem Zementwerk eine Tonne Braunkohle, die nicht importiert werden muss», benennt sie als Beispiel. Doch die Interessen bei der Verwertung sind nicht überall die gleichen. Zum Teil gibt es bei den Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) Überkapazitäten. «Deshalb wird heute um Abfall gekämpft», sagt Margit Rauber. «Die Zukunft liegt aber in der Zusammenarbeit.» Als Grundsatz gelte: Abfall vermindern, vermeiden, trennen, verwerten.

Bereits in 13 Kantonen

Für die beispielhafte Umsetzung wurde die Innorecycling nun zusammen mit zwei weiteren Unternehmen mit dem Schweizer Ethikpreis 2015 ausgezeichnet. Das Unternehmen mit Sitz in Eschlikon und einem Werkhof in Winterthur ist auf den Handel und die Entsorgung von Rohstoffen spezialisiert. Es legt in der Gemeinde ein Sammelsystem fest, das den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bietet, alle Arten von Kunststoffabfällen zu recyceln. «Etwa 50 Prozent der gesammelten Kunststoffe lassen sich wiederverwerten, der Rest wird der thermischen Verwertung zugeführt», sagt Geschäftsführer Markus Tonner.

Mittlerweile umfasst das Konzept Sammelstellen bei mehrheitlich privaten Altstoffunternehmen in 58 Städten in 13 Kantonen. Das Netz wird stetig ausgebaut. Die gesammelten Kunststoffe werden in einem spezialisierten Unternehmen sortiert. Aus der wiederverwertbaren Ware werden neue Produkte wie Kabelrohre oder Kleiderbügel hergestellt.

Trotz der Freude über den Schweizer Ethikpreis bleibt Markus Tonner kritisch. «Die Schweiz ist schon lange nicht mehr Recycling-Weltmeister. Deutschland, Österreich und Belgien liegen heute vor uns», sagt er. In Zahlen ausgedrückt: In der Schweiz liegt die Recyclingquote bei 51 Prozent, in Belgien bei 57, in Österreich bei 59 und in Deutschland bei 64 Prozent. «Wir sind hingegen Weltmeister im Produzieren von Abfall», sagt Markus Tonner. Er gibt zu bedenken, dass etwa 80 Prozent aller Kunststoffabfälle in der Schweiz verbrannt werden.

Konsument fühlt sich besser

Der Recyclingunternehmer stellt fest, dass in den Haushalten gerne Kunststoffe gesammelt werden. «Die Konsumenten fühlen sich besser, wenn sie Kunststoffe der Wiederverwertung zuführen können, wie sie es sich bei Papier, Glas und Altmetall gewohnt sind.» Deshalb hat die Innorecycling AG einen Sammelsack für Kunststoffe entwickelt. Er kostet zwei Franken und wird immer häufiger genutzt. Vor wenigen Monaten haben die KVA Thurgau und der ZAB in Bazenheid unter dem Namen «Kuh-Bag» gemeinsam einen eigenen Sammelsack auf den Markt gebracht. Gibt es eine Zusammenarbeit? «Wir stehen in Verhandlungen», sagt Markus Tonner. «Wir sind uns aber noch nicht ganz einig.»

Der Verleihung des Schweizer Ethikpreises an die Innorecycling AG kommt eine besondere Bedeutung zu. Der unabhängige Preis der Waadtländer Hochschule beweist, dass Ethik und Nachhaltigkeit nicht in Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg stehen müssen.


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