Der Bauer und der Drucker sind sich einig

Am regionalen Begegnungsabend trafen sich die Kantonsräte Josef Gemperle (CVP) und Hansjörg Brunner (FDP) zur Debatte. Differenzen gab es zwischen dem Landwirt und dem Unternehmer wenig: Beide waren sich einig, dass die Politik zu stark reguliere.
03. März 2016, 02:40
RUTH BOSSERT

ESCHLIKON. Auch wenn Josef Gemperle (CVP) und Hansjörg Brunner (FDP) in politischen Debatten das Heu oft nicht auf derselben Bühne haben, auf dem Podium im katholischen Pfarreisaal in Eschlikon überwogen die Gemeinsamkeiten bei weitem.

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der regionalen Begegnungsabende zu den Themen Natur und gesundes Wachstum in der Wirtschaft und der Landwirtschaft statt. Die von Thomas Bachofner vom evangelischen Verein «tecum» geleitete Diskussion wurde von knapp 30 Interessierten besucht. Auf die Frage, was die beiden Politiker voneinander lernen können, sagte Hansjörg Brunner, Unternehmer und Eigentümer der Firma «Fairdruck» in Sirnach: «Ich bewundere die Geduld, die es in der Landwirtschaft braucht.» Als Gwerbler sei er sich gewöhnt, alles selber zu steuern und zu leiten. Deshalb sei Geduld nicht seine Stärke.

Als Präsident des Gewerbeverbandes setze er sich für die Wirtschaftsförderung ein. Wenn die jetzigen Lohnsummen aufrechterhalten bleiben sollen und die Renten und Arbeitsplätze gesichert werden müssen, brauche es Wachstum, sagte er.

Keine Landschaftsgärtner

Für den Landwirt Josef Gemperle aus Buhwil sind es die effizienten Betriebsabläufe und das frühzeitige Erkennen von Chancen im Markt, die er von der Wirtschaft lernen will: In der Landwirtschaft kenne man die Natur und ihre eigenen Gesetze und sei sich bewusst, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Auch wenn ein Bauer zuerst säen und dann erst ernten könne, seien Landwirte ebenso Unternehmer, die ständig ihre Betriebsabläufe verbessern, Investitionen tätigen und generationenübergreifend denken, sagte er. Ihm seien geschlossene Kreisläufe, eine effiziente Energiebewirtschaftung, keine überbewerteten Gebäude und eine realistische Raumplanung wichtig. Was ihn ärgere, sei das «Hü und Hott» in der Landwirtschaftspolitik. «Siedlungsflächen nehmen zu und Ökoflächen ebenfalls.» Deshalb werde der Kampf um das noch verbleibende Land immer grösser und die Landwirtschaftspolitik zwinge die Landwirte dazu, immer extensiver zu bewirtschaften. Gemperle ist überzeugt: «Die Politik mischt sich zu stark ein und ist kein verlässlicher Partner.» Es sei falsch, wenn Landwirte dazu gezwungen werden, die Nahrungsmittelproduktion zugunsten von Ökoflächen, und damit zu höheren Direktzahlungen, zu verringern. Die Landwirtschaft sei zum Produzieren von Nahrungsmitteln da, und die Bauern dürfen nicht zu Landschaftsgärtnern degradiert werden, gab er sich kämpferisch.

Brunner seinerseits sagte, er sei froh, dass er nicht Landwirt sei und damit unabhängig von Direktzahlungen. Trotzdem würden ihn allzu viele Einschränkungen ärgern, die er als Unternehmer erfahre: «Wir brauchen keine Schikanen und hohe Regulierungskosten», sagte er. Das Gewerbe habe oft zu wenig Spielraum. Die Eigenverantwortung werde so beschnitten.

Nachhaltig für morgen

In der Diskussion wollte ein Anwesender wissen, ob sie sich auch Gedanken über das Ende ihres Lebens machen würden. Gemperle sagte unter anderem, er wolle seinen Enkeln als Vermächtnis einmal einen gesunden Betrieb weitergeben. Zudem wolle er die Gewissheit haben, als Bürger und Politiker alles in seiner Macht stehende für eine nachhaltige Energiepolitik getan zu haben.

Hansjörg Brunner antwortete, er wolle der nächsten Generation eine bessere Umwelt weitergeben, als jene, in die er vor 50 Jahren hineingeboren wurde. Als Unternehmer wisse er nicht, ob in seinem Betrieb in Zukunft immer noch Druckerzeugnisse hergestellt werden würden. Im Markt würden sich allerdings immer wieder unerwartete Geschäftsfelder eröffnen und neue Perspektiven bieten, sagte er.


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