Tagblatt Online, 23. Februar 2012 06:44:00
Durchs Fenster geflüchtet
Die Bewohner Ivan Arsic und Adis Eminic besichtigen zusammen mit Peregrina-Leiterin Susanne Höllwarth den ausgebrannten Aufenthaltsraum. (Bild: Thomas Wunderlin)
FRAUENFELD. Ein Brand im Durchgangsheim für Asylbewerber in Frauenfeld hat eine der drei Baracken weitgehend zerstört. Die dreizehn Bewohner haben in Frauenfeld eine neue Unterkunft gefunden. Hinweise auf Brandstiftung gibt es keine.
THOMAS WUNDERLIN
Ein Asylbewerber alarmierte kurz nach drei Uhr am Mittwochmorgen die Notrufzentrale, es brenne im Durchgangsheim an der Häberlinstrasse in Frauenfeld. Als die Einsatzkräfte wenige Minuten später eintrafen, schlugen gemäss Polizeimeldung Flammen aus dem Aufenthaltsraum der westlichen der drei Baracken. Kantonspolizisten halfen den dreizehn Männern in den benachbarten Schlafräumen, sich in Sicherheit zu bringen. Verletzt wurde niemand. Die Stützpunktfeuerwehr Frauenfeld brachte den Brand rasch unter Kontrolle.
Die Peregrina-Stiftung hat den vertriebenen Bewohnern eine neue Unterkunft in Frauenfeld zugeteilt, sagt Susanne Höllwarth, die Gesamtleiterin der Stiftung. Von der Brandursache habe sie keine Ahnung.
Gestern mittag besichtigten der 27jährige Kosovare Ivan Arsic und der 37jährige Bosnier Adis Eminic die ausgebrannte Baracke. Arsic ist seit zwei Jahren in Frauenfeld, Eminic erst seit einem Monat.
Zum Fenster hinausgesprungen
In der Nacht auf Mittwoch wurden Arsic und Eminic durch Warnrufe geweckt. Sie schliefen im Zimmer 22, ebenso ein dritter Mann, ein Afghane. Durch den Gang konnten sie nicht mehr fliehen, da vom Dach her Rauch und Hitze eindrangen. Die Männer packten ein paar Kleider und sprangen zum Fenster hinaus. Auch andere Bewohner mussten sich durch einen Sprung aus dem Fenster retten. Er habe immer noch Kopfschmerzen vom Rauch und vom Stress, sagt Eminic. Was den Brand ausgelöst haben könnte, darüber mögen die Männer nicht spekulieren. Als der Brand ausgebrochen sei, hätten alle Bewohner geschlafen.
Die einstöckige Baracke ist nicht mehr bewohnbar, wie ein Augenschein zeigt. Die Schlafzimmer sind zwar unbeschädigt, auch die Heizkörper sind warm. Doch der Aufenthaltsraum, die Küche und das Bad sind völlig ausgebrannt.
Im Aufenthaltsraum sind Boden und Wände von einer schwarzen Kruste überzogen. Das Glas der Fenster ist geschmolzen. Im Dach klafft eine Öffnung, durch die man den Himmel sieht. Beim Eingang steht ein verkohltes Bügelbrett. Im Unterschied zu anderen Trakten war im Aufenthaltsraum des Westtrakts das Rauchen gestattet, da hier nur alleinstehende Männer wohnten.
Kein Anschlag
Laut Polizeimeldung ist die Brandursache noch nicht bekannt. Der Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Eine Erkenntnis lag gestern Nachmittag vor. «Es gibt keinerlei Hinweise auf einen Brandanschlag», sagte Polizeisprecher Andy Theler.
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