Name ist Programm

FRAUENFELD ⋅ «Generations» verpflichtet. Das internationale Jazzfestival erlebt derzeit einen Generationenwechsel. Langjährige OK-Mitglieder sind abgetreten. Zudem gibt es einen neuen künstlerischen Leiter: Dominik Deuber.
23. August 2017, 05:17
Mathias Frei

Mathias Frei

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@thurgauerzeitung.ch

«Es sollten nicht alle gleichzeitig alt werden.» Ein Prinzip, das Röbi Fürer durchs Leben gebracht hat. «Bei uns ist ‹Generations› Programm», sagt der Rechtsanwalt, Mitbegründer und Komiteepräsident des internationalen Frauenfelder Jazzfestivals. Der wichtigste Generationenwechsel ist beim künstlerischen Leiter des Festivals vonstatten gegangen. Auf Gründer Roman Schwaller folgt Dominik Deuber.

Abgetreten sind aber auch Werner Schiess und Beni Pfister. Sie waren bereits bei der ersten «Generations»-Ausgabe im Jahr 1998 dabei. Schiess war der Mann fürs Grobe: Kost und Logis. Pfister hatte das Ticketing unter sich. Für Schiess kommt der Wirtschaftsprüfer Gianluca Ramseyer. Pfister wird von der Juristin Nathalie Pfäffli beerbt. Ein weiterer Rücktritt ist bei Finanzchefin Christa-Maria Harder zu verzeichnen. Sie war seit dem Festival 2012 im OK. Auf sie folgt Treuhänder Christian Buch. Und schliesslich hat auch Michael Koch (Werbung) sein Ressort weitergegeben. Innerhalb seiner Kommunikationsagentur hat Junior-Beraterin Maria Ebnöther übernommen.

«Ich bin überzeugt, dass der Zeitpunkt jetzt der richtige ist», spricht Fürer über die erste Etappe der OK-Erneuerung. Von der 1998er-Garde nehmen nun noch Brigitte Conrad (Sekretariat) und Fürer die Ausgabe 2018 in Angriff. Conrad macht sicher noch dieses nächste Festival. Fürer will im Optimalfall nach dem «Generations 2020» übergeben.

Vom Schlagzeuger zum Kulturmanager

Bereits geschafft ist die Übergabe bei der künstlerischen Leitung. Und mit Dominik Deuber ist es ein altbekanntes Gesicht. Der 38-jährige Frauenfelder, der heute im Luzernischen lebt, war 2000 und 2002 am «Genera­tions» Teilnehmer des Master-class-Workshops. Seit 2002 arbeitet er im Festival-OK mit. Deuber ist zwar studierter Schlagzeuger. Mittlerweile macht er aber nur noch mit seinem Sohn Musik. Der habe derzeit jedoch mehr Freude an Klavier und Gitarre.

Er sei zu jung, um immer nur an einem Ort zu bleiben, sagt er. Deuber ist umtriebig und viel unterwegs. Sein Job als Direktor der Lucerne Festival Academy, eines jährlichen, 130-köpfigen Meisterkurses für Neue Musik, bringt es mit sich. Aber nach zwei Wochen New York kehre er gerne zu einer Familie nach Hause. Und nun freue es ihn ausserordentlich, das «Generations» weiterentwickeln zu können.

Deuber will das Frauenfelder Jazzfestival nicht neu erfinden, aber er will da und dort neu justieren. Einen Ansatzpunkt sieht er bei den Künstlern, den anderen beim Publikum. Er wolle die Musiker nicht in ein System drücken, sondern die Strukturen den Musikern vor Ort anpassen, sagt Deuber. Einerseits denkt er darüber nach, nebst dem bisher grossgeschriebenen Spielaspekt in der «Generations»-Master­class neu auch dem Komponieren Raum zu geben. Zum anderen sollen situativ auch individuellere Fördermassnahmen für die Masterclass-Teilnehmer möglich sein, angepasst an die Master-class-Lehrer.

Talks als neuer Zugang

Weiter will sich Deuber die Clubsituation genau anschauen. Wo und weshalb besteht ein Überangebot respektive wo muss das Programm ausgebaut werden? Ein neuer Zugang für Zuseher und Zuhörer könnten zum Beispiel öffentliche Künstler- und Expertengespräche sein.

www.generations.ch


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