Mit Verstand und Glück

WETZIKON ⋅ 45 Jasser haben am Mittwochabend um Punkte bei den Thundorfer Jassmeisterschaften gekämpft. Sobald die Karten verteilt sind, fokussieren die Spieler auf ihr Blatt. Es wird kaum gesprochen, sondern gespielt.
29. Dezember 2017, 05:21
Hugo Berger

Hugo Berger

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Kein Platz ist mehr frei im Restaurant Immenberg, das noch mit Weihnachtsdekoration geschmückt ist. Der Mittwochabend gehört den Jassern. 45, vor allem älteren Semesters, sind erschienen, die meisten aus der nahen Umgebung, rund ein Drittel sind Frauen, Junge sind keine dabei. Zum Startgeld von 25 Franken gehört auch ein Nachtessen. Jetzt sind die Teller leergegessen. Zeit für ein Gespräch. Doch viel geredet wird nicht.

Ist man als Jasser nervös vor dem Einsatz? «Nein, ich bin nicht nervös», sagt Peter Keller gelassen und ergänzt: «Man spielt mit den Karten, die man bekommt – fertig. Jassen ist weitgehend eine Glücksache. Ich habe hier schon gewonnen, aber auch verloren.» Der 73-Jährige nimmt regelmässig an den Jassturnieren teil. «Das Jassen fördert die Geselligkeit und hält dich geistig fit», ist er überzeugt. Nicht alle nehmen es so gelassen wie Peter Keller. Eine Frau gesteht: «Ich bin furchtbar nervös. Es ist immer spannend, welche Karten man bekommt.»

Seit 18 Jahren alternierend in sechs Restaurants

Punkt acht Uhr begrüsst Köbi Früh die Jasser und Jasserinnen. Augenblicklich herrscht Stille. Auf seinem grünen Käppi steht sein Name. Das ist überflüssig, denn nicht nur unter den Jassern kennt man den ehemaligen Briefträger. Er organisiert das Jassturnier seit 18 Jahren. Es findet jeden Monat abwechslungsweise in einem von sechs Restaurants statt. «Insgesamt sind wir ein Stamm von ungefähr 80 Jasserinnen und Jasser. Es nehmen jeweils so um die 50 Personen am Turnier teil», erklärt Früh. Die acht besten Resultate der Jassabende zählen für die Meisterschaft. Den Spielern steht ein Abend bevor, der von ihnen viel Konzentration erfordert. Auf dem Stammblatt ist die Nummer des Tisches aufgeführt, an welchem sie mit zugelostem Partner spielen. Viermal wird der Tisch und der Partner gewechselt. Während des Jassens wird kaum geredet. «Eigentlich wäre es sogar verboten», sagt Köbi Früh. Und beim Aufnehmen der Karte wird keine Mine verzogen. Der Blick ist aufs Blatt gerichtet. Schliesslich will man dem Gegner nicht verraten, ob man ein gutes oder ein schlechtes Blatt zwischen Daumen und Zeigefinger aufgenommen hat. Und Zeichen geben oder gar mit dem Fuss unter dem Tisch stupsen geht gar nicht. Dennoch gebe es Verhaltensweisen, die ein geübter Jasser zu deuten wisse, meint ein Jasser schmunzelnd und will nicht verraten, welche Zeichen es sind. Ein paar Bemerkungen während des Spiels können sich die Jasser aber nicht verklemmen. So etwa: «Der räumt wieder tüchtig ab» oder: «Warum hast du nicht den Rosen-Zehner geschmiert, als ich den Buben ausgespielt habe?»

Taktiktieren alleine genügt nicht

Ein wenig geübter Jasser mag wohl etwas Angst davor haben, vom Jasspartner einen Anschiss zu bekommen, wenn er die falsche Karte ausspielt. «Das kommt bei uns kaum vor, und wenn es so wäre, würde ich einschreiten», versichert Köbi Früh. Er überwacht das Turnier und springt ein, wenn an einem Tisch ein Jasser zu wenig ist. Die Jasser sind sich einig: Taktik allein genüge nicht, zum Sieg gehört auch eine Portion Glück. Und wer keines hat, tröstet sich damit: neues Spiel neues Glück.


Leserkommentare

Anzeige: