Bevor etwas passiert

OBERNEUNFORN ⋅ Einwohner fordern für verschiedene Strassenabschnitte im Dorf verkehrsberuhigende Massnahmen. Mit einer Petition kamen 77 Unterschriften zusammen.
13. Januar 2018, 05:19
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

«Kriminell», sagt Christina Küchlin. Kriminell sei der Rank am Anfang der Herrengasse. Er sei sehr unübersichtlich, und ein Fussweg kreuze die Fahrbahn. Und Bruno Ammann, evangelischer Dorfpfarrer, schiebt nach: «Das ist ein beliebter Schleichweg.» Ältere Menschen und Kinder würden hier entlang gehen. Géraldine Eigenmann ist mit ihren Töchtern Aline und Yael im Kinderwagen unterwegs, Eigenmanns Mutter Patricia Koradi spaziert auch mit. «Bachstrasse, Herrengasse und Kirchgasse wären doch eigentlich prädestiniert für eine Tempo-30-Zone», sagt Christina Küchlin, die an der Herrengasse wohnt.

Es gebe noch weitere prekäre Verkehrssituationen in Oberneunforn, sagt Küchlin. Seien es die unübersichtlichen Kreuzungen Hauptstrasse/Ossingerstrasse/Kirchgasse, Hauptstrasse/Bachstrasse oder Hauptstrasse/Waltalingerstrasse. Sei es das hohe Verkehrsaufkommen auf der Waltalingerstrasse, wo es bergab geht und deshalb der Tacho schnell mal mehr als 50 Kilometer pro Stunde anzeigt. Sei es der 80er-Abschnitt auf der Schulstrasse Richtung Schulhaus Rietacker. Zum Glück sei noch nie etwas Gravierendes passiert, sagt Bruno Ammann. Auf der Hauptstrasse gab es vergangenes Jahr zwei Abbiege-Unfälle, glücklicherweise ohne Verletzte. «Fakt ist: Der Verkehr in Oberneunforn hat in den letzten Jahren massiv zugenommen», sagt Christina Küchlin.
 

«Mussten niemanden von Petition überzeugen»

Küchlin wollte ein Zeichen setzen. Sie verfasste einen Antrag «zur Einführung von verkehrsberuhigenden Massnahmen» zuhanden des Gemeinderats. Als Petition wollte sie das Schreiben einreichen. Eigenmann half bei der Unterschriftensammlung. «Überzeugen mussten wir niemand», sagt Eigenmann. Nach zwei, drei Spaziergängen waren 77 Unterschriften beisammen – mehr als zehn Prozent der Einwohnerschaft von Oberneunforn. Zwei Tage vor Heiligabend reichte Küchlin die Petition ein.

«Dass das klar ist: Wir wollen dem Gemeinderat nicht in den Rücken schiessen», sagt Pfarrer Ammann. Auch seien sie keine Verkehrsexperten, meint Patricia Koradi. Was wo sinnvoll sei, müssten andere bewerten. Aber nun sei der Druck aus der Bevölkerung so gross, dass der Gemeinderat etwas machen müsse, sagt Ammann. Und Küchlin hofft, dass bei der Rechnungsgemeinde im Frühsommer schon über Fortschritte in dieser Sache orientiert wird.

«Die Thematik ist uns bekannt, nicht erst seit der besagten Petition», sagt Gemeindepräsident Benjamin Gentsch. In der Vergangenheit habe es ähnliche Begehren auch schon aus Niederneunforn gegeben. Der Gemeinderat nehme diese Anliegen aus der Bevölkerung ernst. Die Petition aber habe man aus Zeitgründen noch nicht im Detail diskutieren können, da sie ja erst kürzlich eingereicht worden sei, sagt Gentsch. Er stellt aber ein Gesamtkonzept in Aussicht, bei dem man alle Ortsteile anschauen werde. Dabei gehe es auch um die Frage, wo Signalisationen reichten und wo bauliche Massnahmen nötig seien. Auf jeden Fall sind die für 2018 provisorisch geplanten Unterhaltsarbeiten an der Waltalingerstrasse vorerst eingefroren – um nicht zweimal an der Strasse arbeiten zu müssen, falls eine bauliche Verkehrsberuhigung nötig wäre.
 

Der Weg zu einer Tempo-30-Zone

Will eine Politische Gemeinde auf Gemeindegebiet ein Tempo-30-Verkehrsregime einführen, muss sie aktiv werden. Das sagt Andreas Gsell, Ressortleiter Verkehrsanordnungen/Signalisation beim kantonalen Tiefbauamt. Eine wichtige Voraussetzung, um Tempo 30 einzuführen, ist, «wenn die Gefahr nicht anders behoben werden kann». Tempo 30 ist grundsätzlich auf siedlungsorientierten Strassen möglich – im Gegensatz zu verkehrsorientierten Strassen.

Die Gemeinde gibt bei einem Vekehrsingenieur ein Gutachten in Auftrag, das Notwendigkeit und Nutzen einer Verkehrsberuhigung aufzeigen soll. Unter anderem braucht es Geschwindigkeitsmessungen. Falls 85 Prozent der Fahrzeuge 38 km/h nicht überschreiten, kann eine Tempo 30 Zone akzeptiert werden. Andernfalls sind bauliche Massnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion erforderlich. Das kantonale Tiefbauamt prüft den Antrag auf Tempo 30, die Bewilligung erteilt das Departement für Bau und Umwelt. Im Rahmen der Auflage sind Rechtsmittel möglich. (ma)


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