Zweierlei auf einen Streich

UESSLINGEN-BUCH. Als erste Gemeinde in der Region Frauenfeld hat Uesslingen-Buch eine Kunststoffsammlung eingeführt. Das neue Entsorgungsangebot wird schon rege genutzt. Man kann Sackgebühr sparen und zugleich etwas für die Umwelt tun.
10. September 2015, 08:31
MATHIAS FREI

Es ist ein Kommen und Leeren in der Grube Kreuzbuck. Die Leute laden an diesem ersten Septembersamstag Grüngut aus, zerbrochene Keramik oder füllen den Aschenputtel-Container mit Asche (siehe Kasten). Nicht zu übersehen ist eine grosse Mulde mit der Aufschrift «Kunststoffsammlung». Sie ist neu. An der Budgetgemeinde von Politisch-Uesslingen-Buch Ende Mai hatte Gemeinderat Willy Hohl über die Idee einer derartigen Sammlung informiert. Und drei Monate später steht das neue Entsorgungsangebot bereit.

Nur noch halb so viel Abfall

Die Kunststoffsammlung kommt offensichtlich an. «Vergangenen Samstag konnten die Leute erstmals Kunststoff bringen», sagt Willy Hohl, Gemeinderat von Uesslingen-Buch und zuständig für das Entsorgungswesen. Und es stapeln sich schon über 20 Säcke in der Mulde. Ein Familienvater habe ihm erzählt, dass sie daheim nur noch 17-Liter-Kehrichtsäcke brauchten statt 35-Liter-Säcken, weil der Kunststoff nun separat entsorgt werden könne. «Und für die Gemeinde ist die Kunststoffsammlung kostenneutral. Wir müssen nur anrufen, sobald die Mulde voll ist. Mit der Leerung haben wir nichts zu tun», sagt Hohl. Und Grubenwart Karl Knechtle wirft ein: «Warum soll man Kunststoff verbrennen, wenn man ihn auch sammeln und recyceln kann?»

Fast jeder Kunststoff

Die Grube Kreuzbuck wird von der Gemeinde Uesslingen-Buch betrieben, die Nachbargemeinde Warth-Weiningen ist finanziell am Entsorgungsplatz beteiligt. Deshalb können hier auch Warther und Weininger Kunststoff abgeben.

Die Einwohner der zwei Gemeinden können praktisch jede Art von Kunststoff sammeln – von Putzmittelflaschen über Guezliverpackungen bis zu Tetra-Paks. «Ausser stark verschmutzten Verpackungen oder solchen mit Restinhalt sowie Blachen und Gartenschläuchen kann alles gesammelt werden», erklärt Hohl. Dafür braucht es spezielle Säcke mit einem Volumen von 60 Litern. Die Sammelsäcke gibt's für 20 Franken im Zehnerpack in allen Läden der zwei Gemeinden und auf der Uesslinger Gemeindekanzlei zu kaufen. Den ersten Sack haben die Einwohner gratis nach Hause geschickt bekommen. «Jetzt lassen wir die Kunststoffsammlung mal laufen», sagt Hohl.

Eschlikoner Firma macht's

Uesslingen-Buch ist die erste Gemeinde in der Region Frauenfeld mit einer Kunststoffsammlung. Im Hinterthurgau dagegen gibt es dieses Angebot in beinahe jeder Gemeinde. Das erstaunt nicht, wenn man weiss, dass die Firma Innorecycling aus Eschlikon für die Kunststoffsammlungen verantwortlich zeichnet.

Der Thurgauer Regierungsrat sah es Ende 2014 in der Antwort auf eine Interpellation des Grünen-Kantonsrats Toni Kappeler noch nicht für notwendig an, den Gemeinden eine separate Kunststoffsammlung vorzuschreiben. Aus ökologischer Sicht sei ein derartiges Angebot zwar sinnvoll. «Die Wirtschaftlichkeit von separaten Kunststoffsammlungen aus Haushalten ist aber heute bei weitem nicht gegeben», heisst es in der Beantwortung.

Kleiderbügel aus Sammelgut

Schweizweit sammeln aber schon über 70 Gemeinden vom St. Galler Rheintal bis in den Kanton Wallis Kunststoff und lassen diesen von der Firma Innorecycling wiederverwerten. «Mittlerweile können wir täglich eine neue Sammelstelle eröffnen», sagt Innorecycling-Geschäftsführer Markus Tonner. Das Sammelgut wird dann nach Qualität sortiert. Laut Tonner können 60 Prozent des gesammelten Kunststoffs wiederverwertet werden. Es entstehen zum Beispiel Kleiderbügel oder Rohre daraus. 40 Prozent werden in der Zementindustrie als Brennstoff eingesetzt. Der Kunststoff ersetzt dort das Erdöl.


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