Walter Platzer sei Dank

FRAUENFELD ⋅ Mit Hilfe einer Spezialfinanzierung konnte die Stadt im Alterszentrum Park ab 1999 verschiedene neue Wohnformen aufgleisen. Nun ist das entsprechende Kässeli auf null und soll aufgehoben werden.
21. April 2017, 08:09
Mathias Frei
Der Frauenfelder Walter Platzer hatte dem städtischen Alterszentrum Park, damals noch Alters- und Pflegeheim genannt, ein Legat über 819000 Franken vermacht. Einen konkreten Verwendungszweck hatte der Verstorbene nicht definiert. Deshalb beschloss der Stadtrat, dem Gemeinderat die Installation einer Spezialfinanzierung für neue Wohnformen im Alter per Anfang 1999 vorzuschlagen.

Weitere grössere Spenden und Legate kamen der Spezialfinanzierung nach der Ersteinlage nicht mehr zugute. Mittlerweile ist das Geld aufgebraucht. Seit 2010 befand sich das Kässeli sogar im Minus, worauf der Stadtrat beschloss, den negativen Saldo über jährliche kleine Zuschüsse aus den Rechnungen des Tageszentrums Talbach und der Parksiedlung Talacker auszugleichen. Dies gelang per Ende 2016.  Nun hat Walter Platzers Legat seine Redlichkeit getan. Alles 
ist im Reinen. Deshalb hat der Stadtrat beschlossen, das entsprechende Reglement mitsamt Spezialfinanzierung per sofort aufzuheben. Darüber wird der Gemeinderat in einer der nächsten Sitzungen entscheiden.

Neue Bedürfnisse von älteren Personen

«Gefragt werden zukünftig Wohnformen sein, welche den Wünschen der Betagten bei voller Selbstständigkeit entsprechen und keinen zusätzlichen Umzug bei Pflegebedürftigkeit nötig machen», schrieb der Stadtrat in der Botschaft, die der Gemeinderat im Februar 1999 beriet. Es gelte, frühzeitig neue Wege einzuschlagen und das Angebot bezüglich Wohnformen zu erweitern. Ein Angebot, das diesem neuen Bedürfnis nachkam, sollte eine Wohngruppe für betreutes Wohnen werden. Die Stadt besass auf dem AZP-Areal an der Gerlikonerstrasse eine Liegenschaft mit zwei Wohnungen, die fast zeitgleich frei geworden waren. In diesem Haus sollte ein dreijähriger Versuchsbetrieb stattfinden. Der Gemeinderat sagte Ja. Das betreute Wohnen wurde später in einen definitiven Betrieb überführt. Im Jahr 2005 konnte dank Geld aus der Spezialfinanzierung das Tageszentrum für Menschen mit Demenz als Projekt gestartet werden. Zwei Jahre später kam die Parksiedlung Talacker zu einem Beitrag an die Kosten des Architekturwettbewerbs.

«Der Zweck der Spezialfinanzierung (Investitionen und Beiträge an Projekte) ist erreicht,  und es sind keine Gelder mehr vorhanden; das Legat wurde bestimmungsgemäss verwendet», schreibt der Stadtrat in der nun vorliegenden Botschaft. Das Reglement verliere damit seine Grundlage. Für künftige Projekte müssten allenfalls nötige Finanzen nun anderweitig beschafft werden. «Die drei dank des Legates Platzer geschaffenen Wohnformen sind feste Bestandteile des Angebotes des Alterszentrums Park und werden über eine eigene Rechnung geführt», ist in der Botschaft zu lesen. Die Abschlüsse der drei Wohnformen würden in Zukunft nicht mehr über die Spezialfinanzierung «Neue Wohnformen» ausgeglichen, sondern über eigene Defizitausgleichskonti.

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