Nähmaschine kommt von Herzen

STECKBORN. Die siebenmillionste Nähmaschine lief gestern in Steckborn vom Band. Bernina-Inhaber Hanspeter Ueltschi schenkte sie Claire Schindler, die ehrenamtlich Kissen für Brustkrebspatientinnen näht.
15. April 2015, 07:53
GUDRUN ENDERS

Es gab eine Nähmaschine und 800 mögliche Gewinner. Die Bernina hatte in sozialen Netzwerken und in den Medien aufgerufen, Vorschläge einzuschicken, wem sie ihre Jubiläumsnähmaschine schenken könnte. Denn Hanspeter Ueltschi, Inhaber der Nähmaschinenfabrik in vierter Generation, wollte diese Jubiläumsmaschine nicht mehr ins firmeneigene Museum stellen. Dort hatte seine Mutter Odette Ueltschi-Gegauf die millionste Nähmaschine plaziert. Dort stehen auch die anderen Jubiläumsmaschinen. «Es bringt nichts, wenn sie dort verstauben», sagt Ueltschi und entschied, dass die siebenmillionste ein neues Schicksal ereilt.

Viele gute Vorschläge

Nach dem Aufruf der Bernina hagelte es regelrecht Nominierungen – von ehrenamtlich geleiteten Nähtreffs für Frauen mit Migrationshintergrund, über junge Designerinnen mit wenig Startkapital bis zu einem Kaninchenschutzverein, bei dem Kuschelröhren genäht werden. «Ihr habt uns die Wahl schwer- gemacht», schreibt Bernina-Mediensprecher Matthias Fluri in seinem Blog. Vorschläge kamen sogar aus Schweden oder Peru, eine Strassenschneiderin aus Kinshasa hätte die Jubiläumsmaschine ebenfalls gut gebrauchen können.

Doch Bernina-Inhaber Hanspeter Ueltschi entschied sich für Claire Schindler. «Es handelt sich um eine typische Schweizer Familie», sagte Ueltschi gestern. In den vergangenen drei Jahren hat Claire Schindler ehrenamtlich 500 Herzkissen genäht, sogar das Stopfmaterial hat sie aus eigener Tasche bezahlt. «Die Stoffe für die Herzkissen bringen Nachbarn oder Bekannte vorbei», sagt Tochter Susanne Hanser. Sie hatte ihre Mutter für die Jubiläumsaktion vorgeschlagen und reiste gestern mit nach Steckborn. Lange sass Claire Schindler an einer alten Bernina-Industriemaschine, die schon 20 Jahre auf dem Buckel hatte. In Zukunft werden die Kissen an der Bernina 580 entstehen, die sogar sticken kann. Die Maschinen mit Stickaufsatz und die neuen Quiltmaschinen werden in Steckborn produziert.

Auch Hanspeter Ueltschi wurde gestern beschenkt: Familie Schindler überreichte ihm eine Glarner Pastete. Zudem orderte sie zwei Bernina-Nähmaschinen für ihre Töchter.


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