Nachbars Katze auf der Briefmarke

GACHNANG. Nächste Woche erscheint eine neue Serie von Briefmarken mit Haustiere-Motiven. Der Grafikdesigner André Seiffert aus Gachnang hat die Wertzeichen mit den Sujets Hund, Katze, Hamster und Kaninchen gestaltet.
28. Februar 2015, 10:13
LISA EPPER

Auf der neuen Einfränkler-Marke blickt einen ein herziges Büsi an. «Das ist die Nachbarskatze, die ab und zu bei uns vorbeischaut, um gestreichelt zu werden», sagt André Seiffert. Der 52jährige Grafikdesigner aus Gachnang hat die vier Marken der neuen Sonderserie der Schweizer Post gestaltet, die nächste Woche erscheint.

Jedes Jahr veröffentlicht die Schweizer Post Sondermarkenserien wie zum Beispiel zu Weihnachten oder Ostern. Für die Gestaltung der Jury lädt die Post jeweils Grafiker zu einem Wettbewerb ein (siehe Kasten). «Das ist jetzt das zweite Mal, dass ich solch einen Wettbewerb der Post gewonnen habe», sagt Seiffert dazu. Er hat als Kind auch Briefmarken gesammelt, und da er aus dieser Generation stammt, gefiel ihm der Auftrag: «Briefmarken sind weniger vergänglich als Plakate oder Broschüren, wie ich sie regelmässig mache.»

Keine neuen Bilder mehr

Einzig die Katze des Nachbarn hat Seifert selbst fotografiert. Da er und seine Frau häufig unterwegs sind, haben sie selbst gar keine Haustiere. Die Bilder des Dalmatiners, des Hamsters und des Kaninchens stammen aus dem Internet. «Heute leben wir in einer regelrechten <Bilderflut>. Man kann kein Bild mehr schiessen, das es nicht schon gibt.» Deswegen verwendet der Grafiker in Absprache mit den Urhebern Fotos aus dem Internet.

Blickkontakt mit Haustieren

Für die Gestaltung der Serie hat sich der Grafikdesigner gefragt, was denn den Betrachter zu einem Bild hinziehe. Deswegen hat er in der Motivwahl konkret den Blickkontakt mit den Tieren gesucht.

«Kommunikation mit Tieren findet vor allem über die Augen statt», sagt Seiffert. Deswegen hat er auch Fotografien von Tieren benutzt und die Motive nicht selbst gezeichnet. «Auch wenn ich gerne zeichne, bevorzugte ich für diese Briefmarkenserie Fotografien, da sie authentischer sind, um eben diesen Blickkontakt hervorzuheben.»

Zudem sei es anspruchsvoll gewesen, etwas so Kleines zu gestalten, es gleichzeitig aber nicht klein wirken zu lassen.

Traumberuf Grafikdesigner

Grafiker ist Seifferts Traumberuf. Von klein auf hat er leidenschaftlich gezeichnet und gemalt oder Bilder und Schriften miteinander kombiniert. «Mein Ziel ist es, mit Bild und Text genau das zu vermitteln, was der Kunde ausdrücken will», sagt Seiffert über seinen Beruf. «Visuelle Kommunikation ist sehr spannend. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.»

Bildbearbeitung bis zum Infarkt

Seine Ausbildung hat André Seiffert an der Zürcher Hochschule der Künste begonnen. Darauf folgte eine vierjährige Weiterbildung zum Designer und Webpublisher. Der Grafikdesigner wohnt seit vier Jahren mit seiner Frau in Gachnang. An seinem Wohnort unterhält er auch seine eigene Firma namens Bildinfarkt.

Den Namen seiner Firma erklärt er wie folgt: «Er zeigt einen Teil meiner Arbeitsweise. Manchmal muss ich, um eine Aussage auf den Punkt zu bringen, so lange an einem Bild arbeiten, bis es <über-bearbeitet> ist und sozusagen einen Bildinfarkt erleidet». Dann wisse er, dass er den richtigen Punkt gefunden habe.


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