Gewusel im übergrossen Kleiderschrank

FRAUENFELD ⋅ Tauschen und Teilen ist in – auch im «Dreiegg», wo am Samstag erstmals die Kleiderbörse «Walk-in Closet» über die Bühne gegangen ist. Besucher jeglichen Alters waren da, darunter sogar einige Männer.
14. November 2016, 07:36
Christine Luley

FRAUENFELD. Mit vollbepackten Taschen strömen die Besucherinnen in die Dreiegg-Bar in Frauenfeld. Bringen Pullover, Jeans, Mäntel und Jacken in den «Walk-in Closet», den begehbaren Kleiderschrank.

Auf dem Shirt der Organisatorin Nadia Riesen steht die Aufschrift «Ich wäre gerne fair». Die 27-Jährige hat die Idee von Winterthur nach Frauenfeld gebracht. Seit fünf Jahren finden solche Events in der ganzen Schweiz statt. Die Initiantin, Jennifer Perez, hilft in Frauenfeld mit und erzählt, wie sie «Walk-in Closet» als Praxisprojekt im Rahmen ihres Studiums an der Hochschule Luzern konzipierte. Die heutige Jugendarbeiterin und Musikerin stellte 2011 gemeinsam mit «infoclick.ch», der Kinder- und Jugendförderung Schweiz, «Walk-in Closet» erstmals in Basel auf die Beine.

Anprobieren und kommentieren

Fehlkäufe, zu eng, zu weit, falsche Farbe, wer kennt das nicht? Dagegen hilft, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, oder tauschen und sehen, dass sich andere über die Stücke freuen, die man weggeworfen hätte.

Eine Frau zieht den Reissverschluss ihres himbeerroten Wollblazers hoch und betrachtet sich prüfend im Spiegel. «Sieht super aus», kommentiert eine Besucherin. Es herrscht ein ausgelassenes, friedliches Gewusel. Alle Altersgruppen sind vertreten, was sich in der Auswahl widerspiegelt. Edle Sachen der reiferen Generation hängen neben eher flippigen, kurzlebigen. Auch einige Männer haben sich unter die Besucherschar gemischt. Der 10jährige Leonhard aus Frauenfeld ist mit seiner Mutter da und zeigt stolz seine neue gefütterte Mütze. Flora Hausammann und Selin Oes finden das Projekt «megacool». Die beiden Studentinnen aus Frauenfeld sind überzeugt, dass der Modetrend zu altbewährten Stilen geht. «Retro liegt im Trend, und individuelle Kleidung ist ohnehin angesagt».

Zwei Frauen sitzen gemütlich bei einem Kaffee an der Bar. «Was hast du mitgenommen?» Rosmarie Perez packt ihre Schätze aus. Darunter ist eine orange- weinrote Tunika aus Seide. «Schönes Stück», kommentiert Caroline Schneider. «Die hab ich mitgebracht», ertönt es vom Nebentisch, «und auf einer Reise in Indien machen lassen», verrät Isa Eberle, die Vorbesitzerin.

Am Schluss gehen die Kleider, die liegen bleiben, an die Hilfsorganisation «Licht im Osten». So wird jedes Stück wieder genutzt. Nadia Riesen und ihr Helferteam sind mit dem Besucherstrom zufrieden. Die Organisatorin kann sich eine Wiederholung des Anlasses vorstellen.


Leserkommentare

Anzeige: