WIESO ENART? (6)

Frauen ohne Schuhe auf dem Feld

19. Dezember 2014, 08:27
Luisa Aeberhard

Wieso sind in Frauenfeld beim Brunnen auf der Westseite der Promenade zwei rote Stöckelschuhe aus Bronze in den Boden hineingedrückt?

«Frauenfeld: Frauen auf dem Feld. Ich wollte ein spezifisches Werk für Frauenfeld schaffen», kommentiert Jan Kaeser sein Kunstwerk. Ladies würden ihre Stöckelschuhe, bevor sie aufs Feld gehen, ausziehen, sagt der freischaffende Künstler aus St. Gallen. Ihm sei es wichtig, dass Werk und Standort im Kontext stehen. «Der Ort sagt mir, was für ein Kunstwerk dort stehen soll.»

Fussrist und Autopneu

Der Künstler sucht nach versteckten Verbindungen und verknüpft diese sichtbar miteinander. «Der Fussrist respektive der Stöckelschuh hat eine ähnliche Rundung wie ein Autopneu.» Wenn er nun einen Stöckelschuh an einen Pneu lege, schmiegt sich der Schuh so an den Pneu, dass kein Zwischenraum besteht. Für sein Kunstwerk überfuhr Kaeser die Schuhe, so dass sie danach platt waren. Von den platten Schuhen hat er dann einen Gipsabdruck gemacht. Als zweiten Schritt goss er in den Gipsabdruck flüssiges Wachs. In weiteren Verarbeitungsschritten entstanden in einer Kunstgiesserei die bronzenen Schuhe, die zum Schluss rot angemalt wurden. «Der Arbeitsprozess, der Weg zum Ziel ist meist knorzig.» Es freue ihn immer wieder, wenn Fragen zu seinen Werken auftauchen. «Gerade dies will ich mit meiner Kunst bezwecken.»

«Die Kunst muss dableiben»

«Ich habe die roten Schuhe ursprünglich für die Ausstellung <Eingleisig> von 2008 entwickelt», sagt Kaeser. Künstler aus der Ostschweiz stellten damals ihre Werke entlang der Strecke der Frauenfeld-Wil-Bahn aus. Kaesers Schuhe waren für einen Monat auf dem Frauenfelder Bahnhofplatz installiert. Die Stadt erwarb das Werk und zeigte Interesse, es auf die Promenade zu versetzen. Als Kaeser die am Bahnhof verankerten Schuhe herausmeisselte, seien Leute, die viel Zeit am Bahnhof verbrachten, zur Baustelle gekommen. «Sie meinten, ich dürfe die Schuhe nicht wegnehmen. Das sei Kunst und müsse dableiben», sagt Kaeser.


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