Faszination steigt mit dem Wissen

FRAUENFELD. Monica Montoli-Bachmann führt mit zehn weiteren Freiwilligen seit Anfang September die Igelstation des Tierschutzvereins Frauenfeld und Umgebung. Schon die erste Woche war hart, denn gleich drei Igel starben.
24. November 2014, 08:40
PHILIPP SCHWARZ

Seit Anfang September führt die frühere Tierarztpraxishelferin Monica Montoli-Bachmann aus Niederwil das Heim für schwache, leichtgewichtige und kranke Igel, mit einem Team von zehn Freiwilligen. «Meine erste Woche war hart, denn gleich drei Igel sind aus Krankheitsgründen gestorben. So hatte ich natürlich an dieser neuen Aufgabe gezweifelt und mich zusammen mit meiner Stellvertreterin gefragt, ob das so auch wirklich Sinn macht.» Doch auch da erhielt sie nicht nur fachliche, sondern auch moralische Unterstützung von der ebenfalls immer wieder mitarbeitenden Tierärztin Gertrud Wartenweiler und der Tierschutzpräsidentin Monika Frei.

Im Sommer musste der Tierschutzverein Frauenfeld und Umgebung eine neue Leitung für ihre Igelstation suchen. Aus gesundheitlichen Gründen musste die damalige Leiterin das Amt abgeben. Die Station befindet sich in einer von der Stadt zur Verfügung gestellte Baracke – in der Ecke von der Linden- und Zeughausstrasse.

Alleine kam nicht in Frage

Monica Montoli-Bachmann hat diese Aufgabe eigentlich nicht gesucht. Ursprünglich half sie mit ihrem Mann dieses Jahr bei der jährlichen Froschhelferaktion des Tierschutzvereins. Am Tierschutzverein-Helferfest erfuhr sie dann vom Rücktritt der bisherigen Leiterin der Igelstation sowie der Suche nach einer neuen Person. «Eine Kollegin forderte mich auf, diese Aufgabe anzunehmen. Doch diese anspruchsvolle Arbeit jedoch alleine anzunehmen, kam für mich nicht in Frage.» Glücklicherweise fanden sich wenig später weitere Helfer und ihre aktuelle Stellvertreterin, Susi Wenk, wollte sie ebenfalls unterstützen.

Die baldige Grossmutter wusste vor der Amtsübernahme nur das, was jeder Tierfreund über Igel weiss. Doch je mehr sie über diese über Millionen Jahre existierenden Tiere erfuhr, umso mehr stieg ihre Faszination an.

Die Arbeit ist emotional

Eigentlich ist die 69-Jährige eine ausgeglichene und humorvolle Person. Im Zusammenhang mit Igeln kann sie jedoch auch wütend werden. Etwa bei diesem Vorfall: Unlängst habe sie zwei Igelbabies erhalten. Diese befanden sich in der Nähe der überfahrenen Igelmutter: «Dies notabene in einer Frauenfelder Quartierstrasse mit einem Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde. Da kann doch jeder Autofahrer problemlos bremsen. Wie kann man nur so herzlos sein und darauf los fahren? Das macht mich wütend.»

Die Aufgabe in der Igelstation ist aber auch sonst emotional anspruchsvoll. Kürzlich erhielt sie einen Igel, bei dem im hinteren Bereich kaum noch Haut vorhanden war – geschweige denn Stacheln. «Nebst vielem Erfreulichem macht das einen natürlich traurig und so ist es nach Arbeitsende oft nicht einfach, abzuschalten.» Inzwischen hat sie viel über Igel gelernt und betreut selbst zu Hause schwache Schützlinge. «Es erstaunt mich immer wieder, wie unterschiedlich Igel sein können. Die Palette reicht von schüchtern bis hin zu besonders frech», sagt Montoli-Bachmann.

450 Gramm als Minimum

Die meist gestellte Frage von Personen, die Igel vorbeibringen, ist, ab wie viel Gramm ein Igel nicht ohne menschliche Hilfe überwintern kann. «Wenn der Igel am Tag herumirrt und nicht mindestens 450 Gramm wiegt. Dies entspricht auch grössenmässig ungefähr einem St. Galler Pfünder-Brot.» Eine weitere, oft gestellte Frage: Mitten in der Nacht findet man einen schwer verletzten Igel, was tun? «Unbedingt einem Tierarzt vorbeibringen, um so unnötiges Leiden zu verhindern.»


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