Ein Verschwundener lässt das Publikum lachen

FRAUENFELD ⋅ «Wo ist Walter?» heissen die bekannten Bilderbücher. Auch bei der gleichnamigen Dialektkomödie, die am Samstagabend im Eisenwerk gespielt wurde, war zweierlei angesagt: ein turbulenter Plot und gute Unterhaltung.
17. Oktober 2016, 06:47
Christof Lampart

FRAUENFELD. Eines Abends kommt Walter Maier einfach nicht mehr von der Arbeit nach Hause. Wichtiger als sein Verschwinden an sich war für die Hinterbliebenen die Fragen nach dem Motiv – Arbeitslosigkeit, Schulden oder Affäre?

Das vom 22jährigen Simon Keller im Sommer 2015 geschriebene und auf diese Tournée hin auch produzierte Theaterstück «Wo ist Walter» befasst sich mit der Frage, was von jemanden übrig bleibt, der einfach verschwindet. Von einem Tag auf den anderen. Spurlos. Am Samstag war das Stück im Eisenwerk in Frauenfeld zu sehen. Es lebt von den guten Leistungen der Schauspielerinnen und Schauspieler. Regisseurin Valérie Cuénod verstand es gekonnt, die Figuren so zu steuern, dass sie gleichberechtigt agierten und somit ein stetes Höchstmass an Spannung aufkam. Es konnte immer «etwas» passieren. Und genau das tat es auch während der knapp zwei Stunden währenden Aufführung.

Ein schnoddriger schwuler Liebhaber

Es gab nicht den einen «Sonnenkönig», um den sich alles drehte – sieht man einmal vom abwesenden Walter ab, dessen Stimme aus dem Off von Klaus Koenen ertönte. Philipp Langenegger als herrlich rechthaberischer Leutnant Schneider, Caroline Felber als hysterische und doch reflektierende Susi Maier, Jessica Matzig als penible Betreibungsbeamtin Elena Keller und Simon Keller als schnoddrig-schwuler Liebhaber Lukas Pförtner setzten eigene Glanzpunkte, so dass der kurzweilige Abend viel Unterhaltung auf gutem Niveau bot.

Das Veilchen tat einem beim Ansehen schon weh

Die Persönlichkeiten wurden durch die Maske (von Leandra Bleiker) unterstützt. Alleine das «Veilchen» von Lukas Förster tat einem schon beim Zuschauen weh. Auch die Kostüme lieferten genug «Lesehilfen», um das Publikum regelmässig in die Irre zu führen. Das Bühnenbild von Clemens Weber ist sehr reduziert und wenig atmosphärisch. Was sicherlich auch dem Umstand geschuldet war, dass sich das Ensemble gegenwärtig auf Tournée befindet, wo diesbezüglich kein allzu grosser Aufwand betrieben werden kann.

Doch das machte nicht einmal viel aus. Denn so wurde der Fokus des Publikums im ausverkauften Vorstadttheater ganz klar auf die Schauspieler und ihre Leistungen gerichtet. Und ihnen beim Tun zuzuschauen lohnte sich auf jeden Fall.


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