Die Parkplatz-Frage

FRAUENFELD ⋅ Der Stadtrat beabsichtigt, die Freie Strasse in die Begegnungszone zu integrieren. Bereits jetzt bringt sich die Politik in Stellung – obwohl mit der baulichen Umsetzung kaum mehr dieses Jahr zu rechnen ist.
23. März 2017, 19:59
Mathias Frei
Weniger oder gleich viele Parkplätze, das ist in der Freie Strasse die Frage? Die Antwort darauf hat bei den Gemeinderäten der verschiedenen Couleurs offensichtlich viel Gewicht. Vergangene Woche machte die Fraktion SVP/EDU den Anfang. Diese Woche folgten weitere Stellungnahmen der SP-Fraktion und von CH.

Hintergrund ist, dass der Stadtrat beabsichtigt, die Freie Strasse in die Begegnungszone zu integrieren, die sich bislang auf der Zürcherstrasse zwischen katholischer Stadtkirche und Rathausplatz erstreckt. Das hat bauliche Anpassungen zur Folge. Für die Planung dieser Umgestaltung sind 60000 Franken im Budget 2017 bewilligt. Mit der effektiven Umsetzung ist aber kaum noch dieses Jahr zu rechnen, wie Heinz Egli, Amtsleiter Stadtentwicklung und Standortförderung, erklärt. Zuvor werde noch die Machbarkeit abgeklärt.

Begegnungszone darf nur ein Strassenniveau haben
Wie schon bei der definitiven Einführung der bestehenden Begegnungszone stütze man sich auch bei der geplanten Erweiterung auf das positive Feedback aus Umfragen mit Anwohnern und Gewerbetreibenden, sagt Heinz Egli. Vor einem guten halben Jahr war es für die Bevölkerung zudem möglich, sich zur zukünftigen Gestaltung und Nutzung der Begegnungszone Freie Strasse zu äussern. Die Auswertung dieser Eingaben ist laut Egli derzeit in Arbeit. Am Projekt der vergrösserten Begegnungszone ist auch die IG Frauenfelder Innenstadt (IG Fit) beteiligt. 

Was die bauliche Gestaltung der Freie Strasse betreffe, sei noch gar nichts beschlossen, sagt Heinz Egli. Ein Kriterium für eine Begegnungszone sei, dass es keine Niveauunterschiede gibt. Das ist derzeit noch nicht der Fall in der Freie Strasse. Und: «Auch die Parkplätze werden wohl zum Thema.» Derzeit bestehen im südlichen Teil der Freie Strasse sieben Längs-Parkfelder. Vor den zwei kantonalen Museen finden parkiert 15 Fahrzeuge Platz. Zudem hat es dort einen Behindertenparkplatz. Und am Bankplatz hat es weitere sieben Parkfelder. Um diese Parkiermöglichkeiten ist die Sorge mehr oder weniger gross. So fordert die Fraktion SVP/EDU, «dass die Zufahrtszeiten und die Anzahl Parkplätze in der Freie Strasse nicht reduziert werden». Seitens CH dagegen heisst es, initiatives Gewerbe und die Gastronomie würden «mehr Raum für ihre Aktivitäten» erhalten, «wenn weniger Automobile im Weg stehen». In dieselbe Richtung geht die Ansicht von Fraktionspräsident Pascal Frey für die SP: Autos sollten auch in Zukunft Platz haben auf der Freie Strasse, aber aufs Nötigste beschränkt. Wer in der Altstadt schwer einkaufe oder nicht gut zu Fuss sei, solle nicht ausgeschlossen werden. «Für alle anderen aber stehen ausserhalb der Altstadt genügend Parkplätze zur Verfügung.»

Feste Installationen können den Verkehr bremsen
Auch betreffend Öffnungszeiten für den motorisierten Verkehr und betreffend festen oder mobilen Installationen gehen die Meinungen auseinander. Während sich die Fraktion SVP/EDU gegen feste Installationen wehrt und fordert, dass die Zufahrt nicht reduziert wird, heisst es von CH-Präsident Charles Landert: «Auch die Freie Strasse soll am Samstag vom Autoverkehr befreit werden und so an Anziehungskraft für Kundinnen und Kunden gewinnen.» Weiter heisst es, dass geschickt angeordnete fixe Installationen den Individualverkehr zum Langsamfahren bewegen würden. Darüber hinaus seien die Forderungen von SVP/EDU «geschäftsschädigend» für Gewerbe und Gastronomie sowie unangenehm für Kunden. Die SP-Fraktion hofft auf ähnliche Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt oder Kinderfest, welche «die Altstadt zwar für kurze Zeit nicht mehr befahrbar machen, aber dennoch einen Nutzen für die Gewerbetreibenden haben – Service public und eine lebendige Altstadt für alle».

Die FDP-Fraktion hat die Umgestaltung der Freie Strasse noch nicht im Detail besprochen. Für Fraktionspräsident Philipp Geuggis steht aber fest, dass «im Interesse des Gewerbes» gehandelt werden müsse. Die Realität zeige, dass Kunden vor dem Laden parkieren wollten. Ansonsten würden sie von der Innenstadt in die Peripherie abwandern. Der Detailhandel durch alle Betriebsgrössen sei derzeit enorm unter Druck, sei es durch den Einkaufstourismus oder den Onlinehandel. 

Auch CVP-Gemeinderätin Susanna Dreyer, die in der verantwortlichen Spezialkommission «Frauenfeld 2030» Einsitz hat, wünscht sich, dass die Bevölkerung weiterhin in der Innenstadt einkauft. Dabei sei aber wichtig, dass die Begegnungszone Anziehungskraft habe. Mehr Platz für Gewerbe und Gastronomie könne dazu beitragen, an der Zahl der Parkplätze sollte jedoch nicht geschraubt werden, findet sie.

Der Stadtrat halte den Gemeinderat über die Spezialkommission laufend auf dem neusten Stand, erklärt Heinz Egli. Zudem kündigt er für die nähere Zukunft weitere Informationen für die Öffentlichkeit an.

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