An der Zukunft schnuppern

MÜLLHEIM ⋅ Während zweier Tage dürfen knapp 500 Jugendliche aus der Region Frauenfeld beim Berufswahlparcours in verschiedene Lehrgänge hineinsehen und auch mithelfen.
04. November 2016, 07:38
Géraldine Bohne

MÜLLHEIM. Der markante Geruch von Hundefutter steigt direkt in die Nase, wenn man die Tierklinik «tezet» in Müllheim betritt. Fünf Schülerinnen aus verschiedenen Sekundarschulen der Region Frauenfeld stehen in einem Zimmer im hinteren Teil der Praxis. In der Mitte befindet sich ein spezielles Laufband für Tiere. Es steht in einer Glasbox, die mit Wasser gefüllt ist. Während die Schülerinnen gespannt der Hündin Lisha beim Gehen zuschauen und sie auch füttern dürfen, erklärt Regula Hübscher, Tiermedizinische Praxisassistentin (TPA), die Funktion dieses Gerätes. «Das hier ist wie eine Physiotherapie für Tiere. Normalerweise gehen die Vierbeiner 20 bis 30 Minuten auf diesem Laufband.» Einige Mädchen getrauen sich, Lisha während ihres Trainings zu füttern, was nicht ganz einfach ist, da die Hündin das Leckerchen grob aus der Hand schnappt.

Der Berufswahlparcours, der schon seit einigen Jahren von den Sekundarschulen angeboten wird, gibt den fünf Mädchen und 477 anderen Jugendlichen aus der Region Frauenfeld Einblick in die Berufswelt. Während zweier Tage schnuppern die Schüler in drei der 82 verschiedenen Berufe, die sie mit Prioritätsgrad auf einem Anmeldeformular ankreuzen konnten. Die Schnuppereinheiten dauern zwischen einer Stunde bis zu einem halben Tag.

Für Jaimee Salomon, Schülerin aus Lanzenneunforn, die sich auch vorstellen kann, später in einer Tierklinik zu arbeiten, ist die Physiostation die beste des Tages. «Das Laufband im Wasser hat mir super gefallen, da ich schon einmal in einer Tierklinik schnuppern war und es das dort nicht gab.» Sie darf nach dem Wassertraining auch aktiv beim Abtrocknen der Hündin mithelfen. «Lisha wird heute richtig verwöhnt», meint Praxisassistentin Sarah Casagrande zu den Schülerinnen, die scheu zusehen.

Bei der Operation hautnah dabei

Regula Hübscher führte die Mädchen während dreier Stunden durch verschiedene Räume der Praxis, unter anderem auch zum Ultraschall und zum Röntgen. Eine der Schülerinnen durfte dort auch den schweren Mantel aus Blei anprobieren und zusammen mit der Praxisassistentin errieten die fünf, was die Röntgenbilder für Verletzungen zeigten. Zuvor durften sie auch einer Operation zusehen, wie ein Kater kastriert wurde. Das gefiel der Sekschülerin Anja Stutz aus Felben-Wellhausen besonders. «Eigentlich möchte ich später Fachfrau Gesundheit werden, aber das heute war super.» Die Tierklinik bot den Schülerinnen viele Aktivitäten, bei denen auch ausprobiert oder mitgemacht werden konnte.

«Die Schüler wissen, was sie wollen»

Die 143 Betriebe des Berufswahlparcours sind im ganzen Kanton verteilt, das Angebot reicht von Textiltechnologe über Chemielaborant bis zu Lebensmittelpraktiker. Die beliebtesten Jobs, auch an diesen zwei Tagen, sind die Lehre zum kaufmännisch Angestellten oder Pflegeberufe.

«Die meisten wissen schon, was sie später werden möchten», meint Esther Schiess, zuständig für die Organisation dieses Anlasses bei der Sekundarschule Frauenfeld, «der Parcours ist gut für die Schüler. Manchmal sind sie zu fixiert auf einen Beruf oder haben eine falsche Vorstellung und finden dann heraus, dass es nicht das Richtige für sie ist.»

Der Druck ist hoch, denn im zweiten Jahr der Sekundarschule müssen die Jugendlichen schnuppern, um sich dann am Ende des Schuljahres bereits bewerben zu können.


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