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Tagblatt Online, 04. November 2009 01:02:43

Weihnachten nicht antasten

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Aldi-Filiale in Sitterdorf: Am Stephanstag darf Kunden kein Einlass gewährt werden, am Berchtoldstag hingegen schon. (Bild: Bild: Reto Martin)

SITTERDORF. Die Sitterdorfer Aldi-Filiale bleibt am 26. Dezember geschlossen. Der Gemeinderat Zihlschlacht-Sitterdorf hat ein entsprechendes Gesuch abgelehnt, es dem Discounter jedoch erlaubt, seinen Laden am 2. Januar zu öffnen.

GEORG STELZNER

«Wir haben die Frage im Gemeinderat eingehend diskutiert und sind einhellig zur Auffassung gelangt, dass der 26. Dezember mit dem 24. und dem 25. eine Einheit bildet und somit uneingeschränkt zu Weihnachten gehört, weshalb an diesem Tag auch kein Geschäft geöffnet sein soll», sagt Heidi Grau, Gemeindeammann von Zihlschlacht-Sitterdorf. Das Gesuch von Aldi sei keine Überraschung gewesen, man habe es aber aus Rücksicht auf die Familien und zum Schutz der Angestellten abgelehnt.

Den Vorwurf, damit unzeitgemäss entschieden zu haben, weist Heidi Grau zurück. Mit altmodisch habe das nichts zu tun. Vielmehr komme darin eine Respektierung traditioneller Werte zum Ausdruck. «Ist es denn wirklich nötig, Dinge, die uns so viele Jahre etwas bedeutet hat, zu opfern?», fragt Heidi Grau. Sie ist überzeugt, dass der Gemeinderat im Sinne der Bevölkerung entschieden hat. Ihr sei bisher jedenfalls keine Kritik zu Ohren gekommen.

Unterschiedlicher Stellenwert

Das Argument, dass die Versorgung mit Lebensmitteln über Weihnachten gefährdet sei, weil der 27. Dezember in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt und somit auch an diesem Tag keine Einkaufsmöglichkeit besteht, lässt Grau nicht gelten. Sie verweist auf die moderne Technik, die eine längere Aufbewahrung verderblicher Produkte ermögliche.

Aufgrund persönlicher Gespräche weiss Heidi Grau, dass nicht alle Amtskollegen den Standpunkt des Gemeinderates Zihlschlacht-Sitterdorf teilen. Ausschlaggebend bei der Bewertung dieser Frage ist ihrer Meinung nach auch nicht die Parteizugehörigkeit, sondern das persönliche Erleben des Weihnachtsfestes. Dass der Gemeinderat die Öffnung der Aldi-Filiale am 2. Januar 2010 bewilligt hat, sei kein Widerspruch, betont Heidi Grau. «Dieser Tag hat doch einen ganz anderen Stellenwert und ist mit Weihnachten nicht zu vergleichen.

» Der Feiertags-Charakter dieses Tages sei weniger ausgeprägt; in Zihlschlacht-Sitterdorf auch deshalb, weil nicht wenige Einwohner im Kanton St. Gallen beschäftigt seien, wo der 2. Januar als normaler Arbeitstag gelte.

Konzentration auf einen Tag

Aldi begründet den Versuch, die Bewilligung für eine Ladenöffnung am 26. Dezember zu erwirken, mit einem allgemeinen Trend, dem man sich nicht entziehen könne. Mit offenen Filialen am 26.

Dezember, wolle man den Kunden auch über Weihnachten Gelegenheit geben, sich mit Frischprodukten einzudecken, erklärt Mediensprecher Sven Bradke. Dies werde gerade in diesem Jahr, in dem unmittelbar auf die Weihnachtsfeiertage ein Sonntag folge, ein grosses Bedürfnis sein, ist Bradke überzeugt.

Bei Aldi argumentiert man aber auch mit der organisatorischen und logistischen Herausforderung.

Bradke: «Wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen nicht eingekauft werden kann, müssen an Heiligabend umso mehr Waren bereitgestellt werden.» Unter solchen Umständen drohe der 24. Dezember sowohl für die Kunden als auch für das Aldi-Personal zu einem stressigen Tag zu werden.





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